Großefehn
Bürgerliste: Parteien schwächeln
„Die großen Parteien schwächeln doch gerade“, sagt Hans Freese, Vorsitzender der Großefehntjer Bürgerliste, sicher. Die Gruppe will bei der Kommunalwahl Sitze in Ortsräten und im Gemeinderat holen.
Großefehn - Schwächelnde Parteien als Chance für die Bürgerliste, so die These: Die Großefehntjer Bürgerliste will bei der Kommunalwahl Sitze in den Ortsräten und im Gemeinderat holen. Außerdem schielt sie bei der Kommunalwahl auf einen Sitz im Kreistag. Den soll ein, hinsichtlich politischer Ämter, unbeschriebenes Blatt holen.
Vorsitzender Hans Freese ist sich sicher: „Die großen Parteien schwächeln doch gerade.“ Die Menschen würden eher denjenigen vertrauen, die sich vor Ort einsetzen. Damit sei die Stunde für die Individualisten auf der Bürgerliste gekommen, glauben er und seine Mitstreiter. Und das drückt sich auch in Zahlen aus.
Mehr und neue Kandidaten
Normalerweise tritt die Bürgerliste mit acht Leuten an, in diesem Jahr sind es 13 Kandidaten für den Gemeinderat, hinzukommen Kandidaten in acht Ortsräten.
Außerdem konnte die Bürgerliste neue Mitglieder ins Boot holen. Unter anderem Sven Ludewig ist hinzugekommen. Der 45-jährige Polizist geht bei seiner ersten Wahl direkt in die Vollen: Er kandidiert für den Ortsrat Ostgroßefehn, den Gemeinderat und ist auch der Hoffnungsträger der Bürgerliste für den Kreistag. Ludewig wird auf Platz vier auf der Liste der Freien Liste Niedersachsen antreten.
Kleinere Hemmschwelle
Ludewig bestätigt, was Freese sagt. Politisch aktiv zu werden, habe er schon länger vorgehabt: „Man kann nicht nur Meckern, man muss auch aktiv werden.“ Das ist der dreifache Vater derzeit bereits als Elternvertretung. Zu den Parteien habe es ihn aber nie hingezogen, mit deren Programmen könne er sich nicht identifizieren. Harm Erdwiens glaubt, dass es vielen so geht. Auch sei die Schwelle geringer, sich an eine Bürgerliste zu wenden. Anja Buss glaubt, dass die Bürgerliste durch Bürgernähe und hohe Flexibilität punktet. Dass sie kein starres Parteiprogramm haben, sei ein Vorteil, so die Mitglieder der Bürgerliste. So konnten auch neue, jüngere Mitglieder gewonnen werden.
Als Nachbarin Anja Buss zu Ludewig rüberkam und fragte, ob er für die Bürgerliste kandidieren wolle, sei das genau das richtige gewesen. Buss ist seit mehr als 20 Jahren Mitglied der Liste.
Fokus auf Kindern
Ludewig will ein großes Themenspektrum abdecken, aber Kinder seien ihm besonders wichtig: „Ich setze mich sehr für Kinder ein, denn Kinder haben keine Lobby.“ Zur Frage, ob er sich Chancen bei der Wahl ausrechnet erklärt er: „Ich lasse mich überraschen. Aber wenn ich gewählt werde, werde ich die Aufgabe auch sehr ernst nehmen.“ Er glaubt Familie, Job und politische Ämter durchaus unter einen Hut zu bekommen und ihm seine beruflichen Kenntnisse gute Dienst tun werden: „Ich habe täglich mit Recht und Gesetzen zu tun.“
Die Bürgerliste sei froh, mit Ludewig nun einen Kandidaten für den Kreistag zu haben. „Bisher war es so, dass die Leute die Bürgerliste auf Gemeindeebene wählen, aber nicht bei der Kreistagswahl“, sagt Freese.
Inhaltlich bleibt die Bürgerliste auf Kurs. Die wichtigsten Themen sind Kita-Betreuung, Bildung, damit einhergehend Digitalisierung, Wohnraum und ärztliche Versorgung. Nicht nur sollen mehr Wohngebiete ausgewiesen werden. Auch will sich die Bürgerliste dafür einsetzen, dass mehr Freiräume zur Instandsetzung alter Häuser für die Besitzer geschaffen werden.
Weitere Themen sind neue Gewerbegebiete, erneuerbare Energien, Tourismus und Infrastruktur.