Odense

Abtauchen in eine Märchenwelt: Das Hans Christian Andersen Museum

Ankea Janßen
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Von Ankea Janßen
| 30.07.2021 10:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Die Märchen von Hans Christian Andersen zählen zur Weltliteratur. Im neu eröffneten Museum in seiner dänischen Geburtsstadt Odense sollen seine Geschichten jetzt erlebbar werden. Ein Besuch.

„Die kleine Meerjungfrau“, „Das hässliche Entlein“, „Däumelinchen“ oder „Die Prinzessin auf der Erbse“: Wohl jeder kennt eines der weltberühmten Märchen von Hans Christian Andersen. Im neuen Museum im dänischen Odense spazieren Besucher jetzt durch sein Leben, tauchen ein in seine Geschichten und finden sich am Ende in ihrer eigenen Märchenwelt wieder. 

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Hans Christian Andersens Leben wird erzählt

Im Halbdunkel beginnt die Reise durch Andersens Jugendzeit. Mit einer raffinierten Audio-Tour wird der Besucher durch das 5600 Quadratmeter große - von viel Helligkeit und Glas geprägte - Museum geführt. Bewegt er sich weg von einer Installation zur nächsten, reagiert die Erzählstimme via eines GPS-Signals. 

Rund 200 ausgewählte Exponate sind ausgestellt, darunter Andersens Schreibtisch, seine Stiefel und sein Koffer. Letzterer soll der Grund sein, warum der Dichter vorrangig in der ersten Klasse reiste. Groß war die Angst, dass ihm sein Gepäck gestohlen werden könnte. 

Ein weiterer Raum widmet sich den vielen Scherenschnittarbeiten, mit denen Andersen seine Märchen erzählte. Seine Schere hatte er während seiner vielen Reisen durch Europa, auf denen er viele berühmte Menschen traf, immer dabei.

Und auch um die Liebe geht es. In einem gefühlvollen Brief berichtet der Dichter von seinem Liebeskummer. Seinem Studienfreund Christian Voigt schüttete Andersen darin sein Herz über seine Liebe zu dessen Schwester Riborg aus, die schon einem anderen Mann versprochen war. Ihren Abschiedsbrief bewahrte er zeitlebens in einem Ledersäkchen auf, das man erst nach seinem Tod fand.  „Was ist Liebe für dich“, wird der Besucher auf einem Schild gefragt und zum Nachdenken angeregt. 

Im Untergeschoss beginnt die Märchenwelt

Eine spiralförmige Rampe führt hinunter in den Untergrund. Entworfen wurde das neue Andersen-Museum von dem japanischen Stararchitekten Kengo Kuma, der unter anderem das Olympia-Stadion in Tokio entwarf. Seine Intention: „Nicht über Andersen, sondern wie Andersen kommunizieren.“ Inspirieren ließ er sich unter anderem vom Märchen „Das Feuerzeug“, in dem ein Soldat durch einen Hohlraum in einen Baum in eine unheimliche Welt unter der Erde hinabklettert. 

In diese Welt geht nun auch der Besucher Schritt für Schritt hinab. Wie eine Achse verbindet ein täuschend echt aussehender Baum des brasilianischen Künstlers Henrique Oliveria das Oben und Unten. Wieder ebenerdigen Boden unter den Füßen findet man sich in einem offenen Raum wieder, der sich Andersens zwölf bekanntesten Märchen widmet.

Und plötzlich spricht die Erbse

An den vielen Matratzen, auf denen die Prinzessin gelegen haben soll, meldet sich über die Kopfhörer die Erbse zu Wort. „Ich bin die Erbse! Eigentlich sollte man die Geschichte 'Die Erbse unter der Prinzessin nennen'. Denn schließlich war ich es ja, die man brauchte, um das völlig durchgeregnete Mädchen auf die Probe zu stellen: War sie wirklich die, die sie vorgab, zu sein?“

Als wäre der Besucher unter Wasser

Im Bereich „Die kleine Meerjungfrau“ laden steinförmige Kissen dazu ein, sich auf den „Meeresboden“ niederzulassen. Von dort aus kann der Blick durch ein kreisrundes Fenster in der Decke gen Himmel gerichtet werden. Das Wasser auf der Scheibe wird draußen vom Wind in Bewegung gesetzt und wellenförmig im Inneren an die Wand geworfen. So entsteht der Eindruck, man sei selbst unter Wasser. Hin und wieder kommt die kleine Meerjungfrau vorbei und erzählt im Flüsterton von ihren Erlebnissen dort oben über der Wasseroberfläche.

Auch die Verwandlung des „hässlichen Entleins“ in einen schönen Schwan ist anhand einer beeindruckenden Projektion zu beobachten. Bei „Der standhafte Zinnsoldat“ wird der Besucher anhand einer Kamerafahrt mitgenommen auf die Fahrt im Papierboot durch die Abwasserkanäle. 

Prachtvoller Garten für die Öffentlichkeit

So verschwimmen im Hans-Christian-Andersen-Museum  immer wieder die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Am Ende sollen die Besucher in einen labyrintischen Garten geführt werden, der öffentlich zugänglich sein wird. Fertiggestellt wird er wohl erst im Herbst. 

In einem der hölzernen Pavillion können sich Kinder verkleiden und im Park in ihre eigene Märchenwelt verschwinden. Auf ihnen liegt im Andersen-Museum ein ganz besonderer Augenmerk. Der Zutritt wird ab sieben Jahren empfohlen. 

Aber egal ob Kind oder Erwachsener: Im neuen Hans-Christian-Andersen-Museum bekommt jeder einen ganz neuen und persönlichen Einblick in seine Märchenwelt.

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