Aurich

Auricher Diskothekenbetreiber von neuer Verordnung „geplättet“

Aike Ruhr
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Von Aike Ruhr
| 27.07.2021 14:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die neue Corona-Verordnung sieht Verschärfungen für den Betrieb von Diskotheken und Shisha-Bars vor. Symbolfoto: Pixabay
Die neue Corona-Verordnung sieht Verschärfungen für den Betrieb von Diskotheken und Shisha-Bars vor. Symbolfoto: Pixabay
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Verschärfungen für Diskotheken, Clubs und Shisha-Bars beschlossen: Für Diskothekenbetreiber der Region ist das ein Schlag in die Magengrube – wenngleich sie auch zum Teil Verständnis haben.

Aurich - Die neue Corona-Verordnung hat vor allem Auswirkungen auf die Diskotheken und Shisha-Bars der Region. Statt wie bisher ab einer Inzidenz von 35 müssen diese nun schon ab einem 7-Tage-Wert von 10 schließen. Außerdem dürfen sie ab dem 28. Juli nur noch bis zu 50 Prozent der maximal zulässigen Gästezahl reinlassen. Und es gilt auch beim Tanzen eine Maskenpflicht.

Für die Gesellschafterin des „Tiffany“ in Aurich, die für den 13. August eigentlich eine große Wiedereröffnungsfeier plante, ist das ein Schlag in die Magengrube. Monika Frieden sagte im ON-Gespräch: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, so Frieden. Sie sei „geladen“ und habe „kein Verständnis mehr“, hieß es: „Ich verstehe die Regierung nicht mehr“. Sie und ihre Tochter, die Geschäftsführerin des Tiffanys ist, müssten sich nun überlegen, ob eine Wiedereröffnungsfeier überhaupt umsetzbar ist und wirtschaftlich Sinn ergibt: „Ich bin sehr, sehr traurig darüber“, hieß es.

Partys als Infektionstreiber

Die Landesregierung führte als Begründung für die Verschärfung der Regeln speziell für Diskotheken und Shisha-Bars steigende Infektionszahlen bei jungen Erwachsenen an. Partys seien besondere Infektionstreiber, hieß es. Wie hoch die Inzidenz bei den unter 30-Jährigen im Landkreis Aurich ist, konnte der Landkreis Aurich auf Anfrage nicht beantworten. Klar ist aber, dass von 24 Coronafällen im Landkreis 14 der Altersgruppe der unter 30-Jährigen zuzuordnen sind. Das entspricht etwa 58 Prozent.

Der Begründung der Landesregierung für die Verschärfung folgt auch der Landtagsabgeordnete Wiard Siebels (SPD): „Es führt kein Weg daran vorbei, sonst können wir die Infektionszahlen nicht drücken“, sagte Siebels im ON-Gespräch. Und er richtete einen Appell an junge Erwachsene: „Lasst euch impfen“, bat Siebels.

Zugleich empfindet er die Verschärfung der Regeln für Diskotheken und Shisha-Bars „im Kern hochproblematisch“, wie er sagte. Denn die jungen Leute hätten „verständlicherweise Nachholbedarf“ – Partys betreffend. Deshalb plädierte Siebels dafür, die Verschärfung der Regeln als vorübergehenden Test zu betrachten: „Man muss sich das genau angucken, wie es sich entwickelt“, sagte er. Sollte dadurch das Infektionsgeschehen nicht gebremst werden, müsste man nachbessern.

Aurum-Inhaber: Unklar, ob sich Betrieb überhaupt lohnt

Uwe Janssen, Inhaber des Aurum in Aurich, war von der neuen Verordnung überwältigt: „Ich bin geplättet“, sagte er. Er und sein Team hätten gerade wieder begonnen, neue Partys zu planen. Es sei gerade erst wieder richtig angelaufen und nun kämen diese verschärften Regeln. Für ihn stellt sich daher die Frage, ob sich ein Betrieb überhaupt noch lohnt oder er am Ende sogar draufzahlt. Besonders die Tatsache, dass nur noch die Hälfte der maximal zulässigen Gästezahl reingelassen werden kann, macht ihm Sorgen. Auch die Maskenpflicht beim Tanzen sei problematisch: „Dadurch wird das alles unattraktiver“, so Janssen. Aber er hat auch „in gewisser Weise Verständnis“, wie er sagte.

Ob tatsächlich Partys in Diskotheken und Clubs für hohe Infektionszahlen verantwortlich sind, könnte man angesichts des jüngsten Vorfalls in der Diskothek Galaxy allerdings bezweifeln. Denn kürzlich verbrachte ein Norder, der, wie sich im Nachhinein herausstellte, an der Delta-Variante erkrankt war, einen Abend in der Georgsheiler Diskothek. Rund 1100 Leute waren in dem Zeitraum, als er dort war, ebenfalls vor Ort. Angesteckt hat sich den Erkenntnissen des Landkreises Aurich zufolge allerdings niemand. 25 Tests von symptomatischen Kontaktpersonen fielen negativ aus – und auch enge Freunde des Norders, mit dem er im Vorfeld des Discobesuchs unterwegs war, infizierten sich nicht.

Dehoga ist „entsetzt“

Birgit Kolb-Binder, Vizepräsidentin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Niedersachsen (Dehoga), sagte im ON-Gespräch über die neuen Verschärfungen: „Wir können davon gar nichts mehr halten“. Sie habe „kein Verständnis, dass es keine Ausnahmen für Geimpfte und Genesene gibt“, so Kolb-Binder. Ihrer Ansicht nach verkrafte die Branche keine weiteren Einschränkungen und die Verschärfungen könnten zum Aussterben von Discotheken führen: „Wir sind entsetzt darüber“, hieß es.

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