Aurich/Leer

Prozessauftakt nach tödlicher Messerattacke in Leer

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 19.07.2021 19:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Ein 38-Jähriger muss sich wegen Totschlags vor dem Landgericht Aurich verantworten. Er soll in Leer einen 42-Jährigen erstochen haben.

Aurich/Leer - Vor dem Landgericht Aurich hat am Montag der Prozess gegen einen 38-Jährigen aus Leer begonnen, der sich wegen Totschlags vor der Ersten Großen Schwurgerichtskammer verantworten muss. Laut Anklage soll er im Januar dieses Jahres einen Arbeitskollegen erstochen haben. Demnach war es zwischen beiden Männern zu einem Streit gekommen, in dessen Verlauf der Angeklagte mit einem Messer auf seinen Kontrahenten eingestochen hatte. Das 42-Jährige Opfer erlitt mehrere Stichwunden, von denen eine in die Leiste tödlich gewesen war. Ein Rettungswagen hatte den Mann noch ins Krankenhaus gebracht, wo er kurz darauf verstarb.

Der Angeklagte hatte nach der Tat zunächst fliehen können, war aber wenige Stunden später verhaftet worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Sein Mandant verstehe bis heute nicht, wie das passiert sei, erklärte Verteidiger Michael Schmidt, er habe den Mann nicht töten wollen.

Angeklagter kann sich Verletzungen des Opfers nicht erklären

Beide Männer seien Angestellte in einem Restaurant in der Leeraner Innenstadt gewesen. Anlass des Streits sei ein Anruf des Angeklagten gewesen, mit dem er drei Mitarbeiter, unter anderem das spätere Opfer, per Telefon zu Putzarbeiten in das Lokal gerufen habe. Der 42-Jährige habe seinen Mandanten daraufhin zunächst am Telefon beschimpft und wenig später mit den anderen Kollegen vor der Tür gestanden. Als sein Mandant geöffnet habe, sei der 42-Jährige wütend auf ihn losgestürmt und habe ihn mit einer Schere an der Stirn verletzt. Der Angeklagte habe ein Messer zur Hand gehabt, weil er in der Küche gearbeitet habe. Wie es zu den Verletzungen des Opfers gekommen sei, könne er nicht erklären. Es sei erstmals zu einer Auseinandersetzung gekommen, normalerweise herrsche ein gutes Verhältnis zwischen den Angestellten.

Der Manager des Lokals war von dem Angeklagten zu Hilfe gerufen worden. Bei seinem Eintreffen habe der 42-Jährige an der Hintertür gestanden, berichtete dieser. Als er die Tür geöffnet habe, sei der Mann an ihm vorbeigeschossen, habe den Angeklagten am Kragen gepackt und ihn nach draußen gezerrt. Weil er in der Hand des 42-Jährigen eine Schere und in der des Angeklagten ein Messer gesehen habe, sei er ums Haus gelaufen, um Unterstützung zu suchen. Er habe angenommen, den Streit schlichten zu können. Als er zurückgekommen sei, habe das Opfer in einer Blutlache am Boden gelegen. Die Tat selbst habe er nicht gesehen. „Diese Sekunden waren für mich so schrecklich“, sagte der Zeuge, der die Nachfragen des Vorsitzenden Richters Bastian Witte oft nur ungenau und im Widerspruch zu früheren Aussagen beantwortete.

Der Prozess wird am Montag, den 2. August ab 9 Uhr fortgesetzt.

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