Aurich
Realschule soll Anbau und zwei Container erhalten
Die Realschule Aurich hat eine akute Raumnot. Mit einer Begrenzung der Schülerzahl und einem Anbau soll das Problem gelöst werden. Es gibt aber andere Möglichkeiten.
Aurich - Eine Höchstgrenze für die Schülerzahl in der Realschule will die Auricher Stadtpolitik einführen. Bei 162 Kindern ist künftig Schluss. Mehr als sechs fünfte Klassen soll es nicht mehr geben, damit die Schule nicht unkontrolliert weiter wächst. Schüler aus Aurich sollen vorrangig aufgenommen werden. Der Schulausschuss der Stadt hat die Verwaltung am Donnerstag beauftragt, eine entsprechende Beschlussvorlage zu erstellen. Dazu gehört auch ein Entwurf für einen Anbau samt nötiger Finanzierung. Denn trotz der Begrenzung werden 14 neue Räume, davon vier Fachräume und zehn normale Klassenzimmer, benötigt (wir berichteten). Außerdem sollen zwei weitere Container aufgestellt werden.
Unwohlsein bei Schülern
Ein Kommentar von Heino Hermanns
Das Wohl der Schüler steht an erster Stelle. Ein Satz, den jeder Politiker sofort unterschreiben würde. Ein Satz, den die Auricher Politik allerdings nur begrenzt mit Leben erfüllt. Denn es gilt vor allem, das Wohl der Auricher Schüler zu sichern. Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren ist es Politikern völlig egal, was mit den Kindern in Südbrookmerland passiert. 2016 wurden die Schüler aus Moordorf und Wiegboldsbur vom Auricher Kreistag aus der IGS Aurich ausgeschlossen. Und nun werden sie vom Auricher Stadtrat aus der Realschule Aurich ausgesperrt. Der Grund dafür ist damals wie heute das Kirchturmdenken. Die Auricher heute wollen ihre Realschule ebenso vor der Kreisschule IGS Aurich schützen wie damals die Politik aus Südbrookmerland die IGS Marienhafe-Moorhusen meinte in Schutz nehmen zu müssen. In Kauf genommen wird ein Unwohlsein bei den Schülern.
Anbau kostet mindestens 3,5 Millionen Euro
Dennoch soll in zwei Bauabschnitten ein Anbau errichtet werden, dessen Kosten schon vor zwei Jahren mit 3,5 Millionen Euro angegeben worden sind.
Erika Biermann (SPD) und Dieter Franzen (CDU) verteidigten das Vorhaben im Ausschuss. Es gehe schließlich um den freien Elternwillen, dagegen könne man nichts machen. Wenn die Eltern die Realschule wollten, müsse die Stadt eben bauen. Unbeachtet blieb im Ausschuss, dass der Elternwille nur in Jahrgang fünf gilt. In höheren Klassen kann durchaus die Schule entscheiden, ob ein Kind nicht anderswo besser aufgehoben ist. Das geschieht auch: die IGS Aurich nimmt in höheren Jahrgängen Schüler aus dem Gymnasium und aus der Realschule auf.
Reinhard Warmulla (Linke) und Gila Altmann (Grüne) forderten, vor einem Beschluss für einen Anbau zunächst mit dem Landkreis über Alternativen zu reden. Freie Räume in der IGS könnten für die Realschule genutzt werden, ebenso Räume auf dem Kasernengelände. „Der Landkreis Aurich hat mit seinem Schulentwicklungsplan von 2014 die heutige Entwicklung mit verschuldet“, so Altmann. Es gehe nun darum, ob man weiter die Konkurrenz pflegen oder mehr Kooperation wagen wolle. Der Schulentwicklungsplan des Kreises werde derzeit fortgeschrieben. „Es ist unklar, was da drinstehen wird“, so Altmann. Vor einem Beschluss sollte daher das Gespräch gesucht werden.