Aurich/Jever

Ostfriesland soll Bahn-Land werden

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 03.06.2021 20:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Geht es nach der VEJ, wird es in Ostfriesland weniger Prellböcke und mehr Gleise geben. Foto: Hermanns
Geht es nach der VEJ, wird es in Ostfriesland weniger Prellböcke und mehr Gleise geben. Foto: Hermanns
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Die Verkehrsregion Ems-Jade (VEJ) will untersuchen lassen, wo idealerweise neue Bahnstrecken entstehen könnten. Ein Schuss ins Blaue sei das nicht, sagt der VEJ-Geschäftsführer.

Aurich/Jever. Es klingt wie der Traum eines jeden Planers: Ein Gutachter soll das ideale Gleisnetz für Ostfriesland entwickeln. Vorgaben dafür gibt es keine, er darf sich die Halbinsel als komplett bahnfreies Gebiet vorstellen. So ungefähr klingt der Auftrag, den die Verkehrsregion Nahverkehr Ems-Jade (VEJ) demnächst an ein Gutachterbüro vergeben will.

Die Gesellschafter der VEJ haben einstimmig das Gutachten beschlossen. Dabei handelt es sich um die Landkreise Aurich, Leer, Wittmund, Emsland und Friesland sowie um die Städte Emden, Leer und Wilhelmshaven. Im südlichen VEJ-Bereich wird ein solches Gutachten bereits seit dem vorigen Jahr erstellt. Daher wird sich der Landkreis Emsland am „Ost-Friesland Bahnplan“ nicht beteiligen.

Kreis Wittmund gibt 23.000 Euro für Untersuchung

In den Jahren 2014/15 keimte in Aurich schon einmal die Hoffnung, dass der SPNV wiederbelebt werden könnte. Foto: Hermanns
In den Jahren 2014/15 keimte in Aurich schon einmal die Hoffnung, dass der SPNV wiederbelebt werden könnte. Foto: Hermanns
In Wittmund hat die Politik sogar schon beschlossen, 23.000 Euro für das Gutachten bereitzustellen.

VEJ-Geschäftsführer Tilli Rachner betont auf ON-Anfrage, dass der Gutachter möglichst viel Freiraum erhalten soll. Es müsse geklärt werden, an welchen Stellen es sinnvoll sei, an bestehende Verbindungen Gleise anzubauen oder alte Strecken zu reaktivieren. Denn das Fehlen von Bahnlinien sei in der heutigen Zeit ein Mangel.

So sei es sehr schwer, Urlaubern zu erklären, warum sie für die letzten zehn Kilometer zu den Fährhäfen nach Langeoog oder Spiekeroog in den Bus umsteigen müssten. „Es ist ein Mangel, das Aurich die größte Stadt Niedersachsens ohne Bahnanschluss ist“, so Rachner. Es sei ebenso ein Mangel, dass sich in der Mitte der ostfriesischen Halbinsel bahntechnisch ein großer weißer Fleck befinde.

Fehlentscheidungen in den 1960er-Jahren

Ein Mangel, der bereits vor über 50 Jahren verursacht worden sei. Damals entschieden sich die Verantwortlichen für die Straße und gegen die Schiene. Im Jahr 1967 fuhr der letzte Personenzug auf der Strecke Aurich-Abelitz. Damals sei es versäumt worden, das Bahnnetz in Ostfriesland auszubauen. „Heute ist es ungleich schwerer, solche Infrastrukturprojekte umzusetzen“, sagt Rachner. Mindestens zehn Jahre müsse man rechnen, wenn man eine neue Strecke bauen wolle. Viele Widerstände auch in der Bevölkerung müssten überwunden werden. Ein Beispiel dafür sei Moordorf. Die Bewohner des Ortes hätten sich mit der Bundesstraße arrangiert. Eine Reaktivierung des Personenverkehrs mit stündlich zwei Zügen würde aber skeptisch gesehen.

Dabei hätte die Verbindung nach emden gute Chancen aus Sicht des Nahverkehrs, so Rachner. Die Busse auf der Verbindung seien gut ausgelastet. Aurich-Abelitz würde hingegen weniger Bedeutung für Fernreisende haben. Diese Gruppe wolle nach Süden oder Osten und würde daher den Bahnhof Leer eher nutzen.

Die Zeiten haben sich laut Rachner aber geändert, die Bahn sei im Aufwind. „Wir glauben, dass es sinnvoll ist, sich das genauer anzusehen.“ Deswegen habe die VEJ ausdrücklich in den Auftrag für das Gutachter-Büro auch die Möglichkeit einer Straßenbahn mit aufgenommen. Eine Variante, die Rachner sich für die Strecke nach Emden gut vorstellen kann. Auf keinen Fall sei ein solches Gutachten ein Schuss ins Blaue. Denn das Büro werde nur solche Strecken empfehlen, bei denen sich ein genauerer Blick lohnen würde. Das sei aber dann Sache der Politik, weitere Aufträge zu vergeben. Mit den Ergebnissen des Gutachtens rechnet Rachner im Frühjahr kommenden Jahres.

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