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Debatte über Corona-Impfung muss rasch beginnen

Ein Impfstoff gegen Corona scheint in greifbare Nähe zu rücken. Foto: DPA

Ein Kommentar von Stephan Schmidt

Zwei Corona-Impfstoffe stehen kurz vor der Zulassung. Im Kreis Aurich wird nach einem Standort zur Verabreichung gesucht. Die Debatte um Für und Wider einer Impfung muss jetzt schleunigst beginnen.

Vier sogenannte Impfzentren sollen in Ostfriesland entstehen, eines davon im Kreis Aurich. Die Verwaltung sucht bereits nach einem geeigneten Standort. Logistik und Räumlichkeiten müssen für eine gewaltige Menge an Covid-19-Impfungen gerüstet sein. Ab wann? Und über welchen Zeitraum? Das sind offene Fragen. Eines ist aber schon jetzt klar: Die Debatte um Für und Wider einer Corona-Impfung muss rasch beginnen. Ein Impfstoff könnte schon im Dezember da sein. Das Thema geht uns alle an.

Triumph über Corona scheint in greifbarer Nähe zu sein

Zwei Forscherteams haben fast zeitgleich einen vielversprechenden Impfstoff entwickelt. Die Kooperation des US-Konzerns Pfizer und des Mainzer Unternehmens Biontech hat gerade für die USA eine Notfallzulassung beantragt. Es kann dort also ganz schnell gehen, bis die ersten Dosen ausgeliefert werden. Auch auf europäischer Ebene läuft seit Oktober so ein Verfahren, das nächste Woche mit neuen Daten beschleunigt werden könnte. Zugleich hat Pharma-Konkurrent Moderna eine vielversprechende Wirksamkeitsstudie für ein eigenes, ähnliches Mittel vorgelegt. Beide Kontrahenten versprechen einen Covid-19-Schutz von etwa 95 Prozent in allen Altersgruppen bei geringer Wahrscheinlichkeit und Ausprägung von Nebenwirkungen. Plötzlich scheint ein Triumph über Corona in greifbarer Nähe zu sein.

Niemand sollte zu früh jubeln

Doch zu früh jubeln sollte niemand. Experten sprechen davon, dass sich mindestens 70 Prozent der Bevölkerung impfen lassen müssen, um einen wirksamen Schutzwall für Kranke und Alte zu errichten und die Epidemie zu besiegen. Das wären allein für den Landkreis Aurich 133 000 Menschen. Eine gewaltige Mobilisierung ist also erforderlich.

Es gibt Grund zu zögern

Würden genügend Menschen mitziehen? Das ist die große Frage. Notorische Impfgegner sind schon einmal außen vor. Aber auch andere haben Grund, zumindest zu zögern. Denn die Zulassung der ersten Wirkstoffe erfolgt in einem beispiellosen Schnellverfahren. Langzeitstudien werden nicht vorliegen, wenn die Medikamente auf den Markt kommen. Und es geht um viel Geld, um Milliarden. Wer größere Hoffnung weckt, erhält die Gunst der Aktionäre. Unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen ist es für alle schwer, das Risiko richtig einzuschätzen. Alles hat mit Vertrauen zu tun. Das müssen die Verantwortlichen aber erst einmal gewinnen.

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