Aurich
Unterwegs mit den Füllgrabes: Kamerun in Deutschland
In der neuen ON-Serie „Mit dem Camper in den deutschen Osten“ geht es mit den Auricher Globetrottern Gerd und Ulrike Füllgrabe auf Reisen. Wegen Corona blieben sie in der Heimat – und entdeckten einen Ort mit einer besonderen Verbindung nach Afrika.
Der direkte Vergleich
Wenig später nimmt uns der Campingplatz in Dannenberg auf, reizvoll am Thielenburger See gelegen. Und nach einer ruhigen Nacht starten wir in Richtung „Kamerun“. Schon einmal hatten wir uns auf den Weg nach Kamerun gemacht, 1985. Damals jedoch in den Staat im tropischen Zentrum Afrikas, wo wir eine abenteuerliche Zeit verlebten. Was aber würde uns hier erwarten? Im frischen Wind knattern zwei Flaggen am schmächtigen Fahnenmast, dort wo der Fußweg zum nahen Elbdeich abzweigt. Oben die bunte mit dem gelben Stern von Kamerun, darunter die niedersächsische. Welch Kombination! Auf der anderen Straßenseite stutzt eine Frau die Hecke im Vorgarten. Ob sie uns Auskunft geben kann? „Entschuldigung“, spreche ich sie an. „Können Sie uns helfen? Wie kommt es, dass dieses unscheinbare Mini-Dorf Kamerun heißt?“ Sie lächelt uns an: „Seltsam, nicht wahr? Aber Sie haben sich an die Richtige gewandt. Sie wissen vielleicht, dass das zentralafrikanische Land einst, von 1884 bis 1919, deutsches Kolonialschutzgebiet, wie man so schön sagt, gewesen ist. Ein entfernter Verwandter unserer Familie diente damals unter Gouverneur Jesko von Puttkamer auf dem deutschen Regierungsdampfer ‚Nachtigall‘ und begleitete auch Hauptmann Hans Dominik auf seinen militärischen Expeditionen ins Inland. Die Beschreibungen der fantastischen Natur des Landes und seiner wilden Stammesgruppen, die in seinen Briefen in die Heimat lebendig wurden, ließen Kamerun für uns zu einem exotischen Traum werden, aber zu weit entfernt, um ihn verwirklichen zu können. Und doch sollte die Erinnerung nicht verloren gehen. Mein Großvater setzte sich dafür ein, dass unser kleines Dorf deshalb offiziell den Namen Kamerun erhielt, auch wenn die Weite der Elbaue wenig mit tropischer Üppigkeit gemein hat. Die Flagge ist übrigens ein Geschenk der kameruner Botschaft.“
Von Hitzacker bis zum Dannenberg
Weiter geht es parallel zum Fluss auf Hitzacker zu. Kurz davor erzählt eine Markierung an der Schutzmauer der „Elb-Terrassen“ von einem erschreckenden Hochwasserstand, einer Bedrohung, mit der die Elb-Anlieger speziell zur Schneeschmelze immer wieder rechnen müssen. Die Altstadt Hitzackers, geprägt von Fachwerk-Architektur mit dem fantastischen Alten Zollhaus, empfängt uns mit Bannern und Plakaten, die unter dem Slogan „Zuflucht Wendland“ für die Integration der Flüchtlinge werben. Ob dies mit der langen nahezu Bedeutungslosigkeit dieser Region in wirtschaftlich ungünstiger Randlage zur damaligen DDR zu tun hat? Wir machen noch einen kleinen Schwenk hinunter an den Anleger, an dem gerade die bescheidene Personen- und Fahrrad-Fähre festmacht, die zwischen Hitzacker und Bitter pendelt und damit den Radtouristen ermöglicht, schnell die Uferseite zu wechseln. Folgt man dann der Elbuferstraße nach Norden, gerät man in stark welliges Gebiet, das Steigungen bis zehn Prozent präsentiert. Auf einer der Höhen, dem Kniepenberg, ragt ein 16 Meter hoher Aussichtsturm empor, dessen kompakte Holzkonstruktion auch dem stärksten Sturm standhält und den Blick über die dichten Baumwipfel auf das lang gezogene Elbtal ermöglicht – ein beeindruckendes Panorama.
Die zweite Folge „Mit dem Camper in den deutschen Osten“ führt am Sonnabend, 14. November, nach Greifswald und Rügen.