München (dpa)

Neue Corona-Testpanne: Rund 10.000 Menschen betroffen

Corona-Testzentrum an der Rastanlage Inntal-Ost. Wieder ist es zu einer massiven Testpanne in Bayern gekommen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Von Mirjam Uhrich und Valentin Gensch, dpa

Bayern geht beim Kampf gegen Corona einen Sonderweg und will besonders viel testen. Doch das Konzept scheint nicht ganz aufzugehen: Schon wieder gibt es eine peinliche Panne bei der Übermittlung der Ergebnisse.

Tausende lassen sich jeden Tag an den bayerischen Flughäfen ein Stäbchen in die Nase stecken. Ein kurzes unangenehmes Gefühl, schon ist es wieder vorbei. Doch dann scheint die Qual oft erst zu beginnen.

Die Reiserückkehrer müssen auf das Ergebnis ihres Corona-Tests lange warten. Zu lange, wie nun eine neue Panne in Bayern zeigt. Binnen 48 Stunden sollen sie eigentlich informiert werden - doch viele harren Tage später noch immer in Quarantäne aus. „Wir möchten endlich wieder raus“, erzählt der Familienvater Edwin Buccino, der seit einer Woche seine kleine Tochter zuhause bei Laune halten muss.

Schon wieder gibt es Verzögerungen bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen in Bayern, dieses Mal sind rund 10.000 Menschen betroffen, wie ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums am Freitag in München einräumte. Sie waren zwischen Samstag und Dienstag an bayerischen Flughäfen auf das Coronavirus getestet worden und bekamen nicht innerhalb der versprochenen Frist von 48 Stunden das Ergebnis mitgeteilt.

Begonnen hat das jüngste Debakel am 28. August, als nach Auskunft des privaten Dienstleisters Ecolog 400 Ergebnisse nicht rechtzeitig bei den Getesteten waren. In den Tagen danach, also vom 29. August bis zum 1. September, häuften sich dann rund 10.000 Tests an. Ecolog spricht von einer Computerpanne. Aber selbst im Gesundheitsministerium konnte bislang niemand genau sagen, woran es denn konkret lag.

„Das Problem konnte nach Angaben des Dienstleisters inzwischen gelöst werden“, betonte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Im Laufe des Freitags sollten alle Betroffenen Klarheit haben. „Dieser Vorgang zeigt, dass das Controlling durch das LGL (Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Gesundheit) bei den Testungen funktioniert.“ Bayern gehe systematisch bei den Corona-Tests vor.

Doch die Opposition sieht das ganz anders - und kritisiert Ministerpräsident Markus Söder (CSU). „Das ist nicht nur hochpeinlich für die Staatsregierung, sondern gefährlich und auch ärgerlich für die Betroffenen, die daheim in Quarantäne sitzen und ihr Testergebnis nicht bekommen“, kritisierte etwa Ruth Waldmann, Gesundheitsexpertin der SPD-Landtagsfraktion. Auch die FDP und die Grünen in Bayern fordern ein neues Testkonzept.

Während alle anderen Bundesländer die kostenlosen Corona-Test für Urlauber aus Nicht-Risikogebieten zum Ende der Sommerferien beenden wollen, hält Bayern weiter an seiner Strategie fest. Jeder soll kostenlos einen Abstrich nehmen lassen können - egal, ob er in einem Risikogebiet war oder nicht. Doch auch Ärzte kritisieren ein „ungezieltes“ Testen mit zu langen Wartezeiten.

Nach Angaben der Gesundheitsministerin ließen sich bislang rund 370 000 Reiserückkehrer an den Stationen im Freistaat testen - also an Flughäfen, Autobahnraststätten und Hauptbahnhöfen. Mehr als 4600 davon seien positiv gewesen. Daran sehe man „die riesige logistische Herausforderung und gleichzeitig den Erfolg der Testungen“, so Huml.

Die Ministerin steht sowieso schon in der Kritik. Erst Mitte August war bekannt geworden, dass Zehntausende Menschen tagelang auf das Ergebnis ihres Corona-Tests gewartet hatten - darunter auch mehr als 900 positiv Getestete. Huml bot Söder den Rücktritt an, doch der hielt an ihr fest. Damals gab es das Problem an den Autobahnen, nun klappte es bei den Teststationen an den Flughäfen nicht richtig.

Im Zuge der jüngsten Testpanne habe das LGL aber auch die Daten der Teststationen an den Autobahnen und Bahnhöfen abgefragt, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Bis auf wenige Ausnahmen habe es dort keine größeren Verzögerungen bei der Übermittlung von Testergebnissen gegeben.

Eine solche Ausnahme scheint Rene Meier zu sein: Seit Sonntag warte er auf das Ergebnis seines Tests, dem er sich auf dem Rückweg von Kroatien an der Autobahn A3 bei Passau unterzogen habe. „Ich bin extra drei Tage früher als geplant zurückgefahren, damit ich das Testergebnis rechtzeitig habe“, erzählt der 38-Jährige. Am Montag müsse er eigentlich wieder zur Arbeit, doch ohne negatives Ergebnis sitze er weiter in Quarantäne. „Das ist doch unmenschlich, fast schon Freiheitsberaubung.“

© dpa-infocom, dpa:200904-99-432081/8

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