Paris (dpa)

Neuer OECD-Chef fordert Impfstoffe für ganze Welt

Mathias Cormann Cormann führt die OECD als Nachfolger des Mexikaners Angel Gurría für die nächsten fünf Jahre. Foto: Richard Wainwright/AAP/dpa

Der neue Chef der Industrieländervereinigung OECD kommt zwar aus Australien, wuchs aber in Belgien in einer deutschsprachigen Umgebung auf. Mathias Cormann hat die Corona-Krise ganz oben auf der Agenda.

Der neue OECD-Chef Mathias Cormann hat zum Amtsantritt Corona-Impfstoffe für ganze Welt gefordert.

Es gebe zwar einen globalen Wirtschaftsaufschwung, doch die Lage in Entwicklungsländern sei besorgniserregend, sagte der australische Ex-Finanzminister am Dienstag in Paris nach Abschluss eines zweitägigen Ministerrates der der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

„Das hat Politiker und Bevölkerungen bis an ihre Grenzen getestet“, sagte der 50-Jährige mit Blick auf die Covid-19-Pandemie. Es sei die schlimmste Wirtschafts- und Gesundheitskrise in der 60-jährigen Geschichte der Organisation. Vorrang haben für ihn auch der Kampf gegen den Klimawandel und die Verhandlungen für eine globale Steuerreform mit Mindestsätzen für große Konzerne. Die Konferenz wurde als Videotreffen abgehalten.

Der aus dem deutschsprachigen Osten Belgiens stammende Cormann führt die OECD mit 38 Mitgliedstaaten für die nächsten fünf Jahre. Er übernahm das Amt des Generalsekretärs von dem Mexikaner Angel Gurría, der nach 15 Jahren ausschied. Cormann ist der erste Vertreter aus dem asiatisch-pazifischen Raum an der Spitze der Pariser Denkfabrik.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gratulierte Cormann. Die OECD zeichne sich durch große fachliche Expertise aus und unterstütze wichtige Verhandlungsprozesse der Industriestaatengruppe G7 oder der G20-Gruppe mit großen Industrie- und Schwellenländern.

Cormann kann auf eine ungewöhnliche Karriere zurückblicken. Er wurde in Eupen nahe der Grenze zu Deutschland geboren, ging in Lüttich zur Schule und studierte Jura in Namur und Löwen. Mitte der 1990er Jahre wanderte er nach Australien aus und stieg dort in der Politik auf.

Seit dem Jahr 2000 ist Cormann australischer Staatsbürger. Von 2003 bis 2004 war er Vizevorsitzender der Liberal Party im Bundesstaat Western Australia. Von 2013 bis 2020 amtierte er als Finanzminister Australiens - und war damit länger in diesem Amt als alle seine Vorgänger. Aktivisten hatten ihn bei seiner OECD-Kandidatur wegen der australischen Klimapolitik kritisiert. Cormann gilt als konsequenter Verfechter niedriger Steuern, offener Märkte und des Freihandels.

Cormann zeigte sich zuversichtlich, dass es im Tauziehen um eine globale Steuerreform mit Mindestsätzen für große Konzerne zu einem Kompromiss kommt. Die Mindeststeuer für international tätige Unternehmen soll dem globalen Wettrennen um den niedrigsten Steuersatz ein Ende setzen. Die OECD spielt bei den globalen Verhandlungen eine zentrale Rolle.

© dpa-infocom, dpa:210601-99-824216/3

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