Osnabrück Daniel Günther über Heimat, Politik und „das letzte Mal, dass ich ausgerastet bin“
„Menschen, die mich aus der Schulzeit kennen, sind wahrscheinlich noch überraschter als ich, dass ich heute Ministerpräsident bin“, sagt CDU-Politiker Daniel Günther. Sein Weg an die politische Spitze des nördlichsten Bundeslandes war keineswegs vorgezeichnet.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat eingeräumt, in seiner politischen Vergangenheit deutlich konservativer und polarisierender aufgetreten zu sein als heute. Das sagte der CDU-Politiker in einem Gespräch für den neuen Interviewband „Küstenkonturen“, der in Auszügen unserer Redaktion vorliegt.
Günther gibt sich darin in seiner Heimat fest verwurzelt: „Ich habe mich sehr früh entschieden, Kommunalpolitik zu machen. Das geht nur, wenn Sie da wohnen, wo Sie sich engagieren. Deshalb bin ich nie aus Eckernförde weggekommen“, sagte Günther im Gespräch mit Kay Müller, Landeskorrespondent für NOZ/mh:n Medien und Autor des Buchprojekts.
„Manche werden sagen: ‚Der hat nichts gesehen im Leben.‘ Aber ich empfinde das überhaupt nicht so. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, muss nicht weit reisen, um Dinge zu sehen.“
Mit Blick auf seine politische Karriere erklärte der CDU-Politiker: „Wenn mich jemand vor Jahren gefragt hätte, ob ich Ministerpräsident werden will, hätte ich immer voller Überzeugung geantwortet: ‚Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.‘ Wenn ich das gewollt hätte, hätte ich ja auch schon in jungen Jahren darauf achten müssen, meine Biografie sauber zu halten.“
Er räumte ein: „Ich habe auch ein schlechtes Abitur gemacht. Menschen, die mich aus der Schulzeit kennen, sind wahrscheinlich noch überraschter als ich, dass ich heute Ministerpräsident bin.“
Zu seiner Veränderung als Politiker sagte Günther: „Ich war früher viel polarisierender, auch deutlich konservativer. Und in der Art der Kommunikation eher draufgängerisch.“ Heute sehe er vieles anders: „Ich habe vielleicht nicht viele Stärken, aber ich kann mich recht gut in andere hineinversetzen, um zu verstehen, warum andere wie reagieren.“
Rückblickend bereue er manche Auseinandersetzung: „Ich habe damals in Eckernförde die Bürgermeisterin massiv kritisiert. Ich würde auch heute noch sagen, dass alle Vorwürfe richtig waren. Und wahrscheinlich habe ich deshalb auch meinen Anteil daran, dass es danach einen anderen Bürgermeister gab. Aber ich bin nicht stolz darauf, wie ich mich damals verhalten habe.“
Mittlerweile wisse er, wie es ist, in der Öffentlichkeit zu stehen und für alles, was man macht, kritisiert zu werden. „Früher habe ich auch daraus Kraft gezogen, wenn mich Leute kritisiert oder dumm angemacht haben. Heute motiviert mich Zustimmung mehr als Ablehnung.“
Emotionale Ausbrüche seien heute selten, erklärte Günther: „Ich habe gelernt, dass es nichts bringt, jemanden anzuschreien – dann hat man schon verloren.“ Eine Ausnahme nennt er jedoch: „Das letzte Mal, dass ich ausgerastet bin, war vermutlich als der Eckernförder Männerturnverein das Aufstiegsspiel gegen den TSV Jörl mit 14:21 verloren hat.“