Köln Kölns Inklusions-Märchen mit Spielplatz-Schildern: Lasst den Kindern ihre Räume!
Bröckelnde Schulfassaden, marode Brücken, kein Geld – doch die Stadt Köln beschäftigt sich lieber mit Problemen, die keine sind: nämlich mit dem Begriff „Spielplatz“. Lasst den Kindern ihre Räume, statt Symbolpolitik zu machen!
Nun also soll es den Spielplätzen an den Kragen gehen, zumindest in Köln. Mal ehrlich: Hat sich je ein Mensch von dem Begriff „Spielplatz“ ausgeschlossen, gar diskriminiert gefühlt? Wie viele Mittvierziger sind bereits traurig an Spielplätzen vorbeigegangen, weil sie sich nicht auf die Schaukel getraut haben? Und hätten sie sich getraut, wenn auf dem Schild davor „Spiel- und Aktionsfläche“ statt „Spielplatz“ gestanden hätte?
Denn genau das ist das erklärte Ziel der Stadt: Aus Spielplätzen, die seit jeher insbesondere in Städten ein Ort für Kinder und Familien sein sollten, soll nun eine Mischfläche werden. Menschen „aller Altersgruppen“ sollen sich hier aufhalten dürfen, ganz im Sinne der Inklusion. Doch was eigentlich passiert: Man hält sich mit Problemen auf, die keine sind. Und – noch viel schlimmer: Man nimmt den Kindern ihre Räume.
Wo sonst können Kinder in Städten ungestört laut sein, spielen und toben? Genau dafür gibt es Spielplätze – und das ist auch gesetzlich so festgelegt: Kinder und Jugendliche haben hier Vorrang, Erwachsene dürfen nur mit Rücksicht oder in Begleitung ihrer Kinder dorthin. Die geplante Umbenennung widerspricht diesem Grundgedanken, denn sie öffnet die Flächen ausdrücklich für alle Altersgruppen.
Zumal es in Köln für alle anderen Menschen ebenfalls genügend Angebote gibt: von Skateranlagen und Jugendtreffs über Parks mit „Begegnungsflächen“, Fitnesstracks und Sportangeboten, die ausdrücklich für alle Menschen gedacht sind. Mehr als 30 Bewegungsparcours zählt die Stadt.
Es bleibt also die Frage, was genau die Stadt Köln mit dieser Aktion bezwecken will. Die alte Beschilderung entspräche nicht mehr der kommunalen Strategie, die darauf abziele, Kindern und Jugendlichen auf Spielplätzen im öffentlichen Raum Schutz zu bieten, hieß es. Dass nun eine Öffnung dieser Flächen für jedermann mehr Schutz bieten soll, ist schlicht widersinnig und verwässert diesen Schutzraum stattdessen. So öffnet man Menschen mit schlechten Absichten Tür und Tor, stempelt das Ganze mit „Inklusion“ ab und hat vermeintlich im Sinne der Gesellschaft gehandelt.
Das mediale Aufsehen um die Umbenennung hat nun die Kölner Oberbürgermeisterin auf den Plan gerufen: Sie empfände die Bezeichnung „Spielplatz“ als unmissverständlich und sowieso habe die Stadt wichtigere Herausforderungen. Eine abschließende Entscheidung soll nun erst im September im Stadtrat gefällt werden, so lange bleibt alles beim Alten – gut so.
Die Planungszeit von einem Jahr und die knapp 40.000 Euro bleiben jedoch herausgeschmissene Ressourcen, die man lieber in die Beschaffung barrierefreier Spielgeräte hätte stecken sollen – das wäre echte Inklusion.