Nach Gerichtsurteil Norder Stadtwerke holen gefeuerten Wolfgang Völz zurück
Offenbar kehrt Wolfgang Völz nach dem Urteil des Emder Arbeitsgerichts zu den Norder Stadtwerken zurück. Das Gericht hielt die fristlose Kündigung für nichtig. Die Stadtwerke schweigen zu Details.
Norden - Offenbar holen die Norder Stadtwerke ihren im vergangenen Jahr entlassenen Geschäftsführer und ehemaligen technischen Leiter Wolfgang Völz zurück ins Unternehmen. Wie Völz auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigte, sei er dazu aufgefordert worden, „am 5. Mai seine Arbeitsleistung wieder aufzunehmen“. Das habe der Anwalt der Gegenseite, der Oldenburger Rechtsanwalt Dr. Cord Imelmann, seinem Anwalt, Dr. Tobias Brors aus Düsseldorfer, mitteilen lassen, sagte Völz. Dem werde er selbstverständlich nachkommen. Wie berichtet war dieser Entscheidung ein Urteil des Emder Arbeitsgerichtes vorausgegangen.
Es geht um die Kündigung von Wolfgang Völz. Der war im vergangenen Jahr zunächst als technischer Geschäftsführer der Norder Stadtwerke fristlos gekündigt worden. Aus Sicht der Stadt hat Völz seine Kompetenzen überschritten. Er soll die Kosten für eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Norder Wasserwerks deutlich überschritten haben, ohne den Aufsichtsrat darüber in Kenntnis zu setzen.
Richter hielt fristlose Kündigung für nicht rechtens
Am 20. März entschied Richter Eike Calbow: Die fristlose Kündigung war unwirksam. Wirksam war nach Auffassung des Arbeitsgerichtes aber die ordentliche Kündigung zum 30. Juni 2024. Daher habe das Geschäftsführer-Verhältnis von Völz bis 30. Juni 2024 fortbestanden. Aber – und das bringt Völz jetzt wieder zurück in Lohn und Brot – in dem Vertrag gab es eine Klausel. Danach bliebt Völz auch nach Kündigung als Geschäftsführer immer noch technischer Leiter. Auch das hatten die Stadtwerke bestritten. Nach ihrem Dafürhalten war Völz aus beiden Positionen gekündigt worden. Das sah das Gericht anders.
Der Versuch einer außergerichtlichen Einigung im Vorfeld des Urteils war gescheitert. Der Oldenburger Rechtsanwalt Dr. Cord Imelmann, der die Stadt Norden vertritt, bot der Gegenseite 150.000 Euro für einen eventuellen Vergleich an. Damit war er meilenweit von der geforderten Summe von Dr. Tobias Brors, dem Düsseldorfer Rechtsbeistand von Wolfgang Völz, entfernt. Der forderte für seinen Mandanten für die Zustimmung zu einem Vergleich 705.000 Euro, um Völz seinen Verdienstausgleich bis zum Renteneintritt zum 1. Dezember 2030 zu ersetzen. Für die Stadtwerke eine utopische Summe, wie ihr Anwalt vor Gericht deutlich gemacht hatte.
Stadtwerke wollen sich weiterhin nicht äußern
Eines hatte Wolfgang Völz aber bei allen Verhandlungsterminen klar gemacht: Er stehe jederzeit bereit, seine Tätigkeit bei den Stadtwerken wieder aufzunehmen und seinen Vertrag zu erfüllen. Das ist nun offenbar der Fall. Eine angefragte Bestätigung von den Stadtwerken blieb aus. Auch die Frage, welche Aufgaben Völz künftig übernehmen soll und was mit dem derzeitigen technischen Leiter Thomas Brede wird, ließen die Stadtwerke unbeantwortet. Auf die Frage, wie die Stadtwerke sicherstellen wollen, dass Wolfgang Völz nach dem Rechtsstreit in ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld zurückkehren kann, gab es ebenfalls keine Antwort.
Ein Kommentar von Rebecca Kresse
Keine Frage, hinter den Norder Wirtschaftsbetrieben (WBN) liegen harte Jahre. Erst die ad-hoc-Trennung von Kurdirektor Stefan Krieger, dann kündigte der kaufmännische Geschäftsführer Thorsten Schlamann seinen Weggang an, der technische Geschäftsführer Wolfgang Völz wurde zunächst degradiert, dann entlassen und schließlich waren die Stadtwerke bei der Neueinstellung eines Geschäftsführers einem mutmaßlichen Betrüger aufgesessen. Kann man den WBN die vielen Irrungen und Wirrungen im Betrieb vorwerfen? Wohl nur zum Teil. Kann man ihnen Vorwürfe machen, wie sie damit umgegangen sind? Absolut! Denn in Krisen bedarf es einer klaren Kommunikationsstrategie. Zum einen nach innen, um Ruhe ins Unternehmen zu bringen. Die hat es teilweise gegeben. Vor allem aber auch nach außen, um dem Ansehen des Betriebes in der Öffentlichkeit nicht noch weiter zu schaden. Die fehlte gänzlich. Die Probleme um Krieger wurden hinter dem Deckmäntelchen einer „einvernehmlichen Trennung“ versteckt. Die Degradierung und Kündigung von Wolfgang Völz mit anschließender Klage wurden gar nicht mitgeteilt, sondern durch Medienrecherchen bekannt. Und nach dem Betrug durch den neu eingestellten Geschäftsführer Said M. R. Khashey duckten sich sowohl die Stadtverwaltung als auch die Wirtschaftsbetriebe weg. Schweigen lautet die Taktik – auch jetzt wieder. Aber Schweigen ist in der Krise nicht Gold. Das weiß jeder, der auch nur ein einziges Kommunikationsseminar besucht hat. Wer in der Krise schweigt, setzt seinen Ruf aufs Spiel. Wer schweigt, behält nicht die Kontrolle, denn das Feuer wird nicht von selbst erlöschen. Wer in Krisen schweigt, setzt Vertrauen aufs Spiel. Und wer schweigt, verpasst die Chance, Führungsqualitäten und Unternehmenswerte zu demonstrieren. Schweigen ist das Gegenteil einer Lösung. Es ist an der Zeit, dass die Wirtschaftsbetriebe Verantwortung übernehmen, offen und transparent agieren, um ihre Reputation und das Vertrauen in der Öffentlichkeit zu bewahren.Schweigen ist das Gegenteil einer Lösung
Luca Schoolmann, eigentlich Vertriebsmitarbeiter, der zurzeit den Pressesprecher der Norder Stadtwerke Hilko Jürgens vertritt, teilte lediglich mit, „dass wir uns zu einem laufenden Rechtsverfahren nicht öffentlich äußern werden“. Um nicht mit weiteren Anfragen konfrontiert zu werden, schob er noch den folgenden Satz hinterher: „Wir kommen unaufgefordert auf die Angelegenheit zurück, soweit es in der Sache aus unserer Sicht etwas zu berichten gibt.“ Die Rückkehr von Völz zählt offenbar nicht dazu.
Neue Geschäftsführerin im Dienst
Schon das Urteil des Arbeitsgerichtes ließen sowohl der Norder Bürgermeister Florian Eiben als auch die Stadtwerke bisher unkommentiert. Zunächst mit dem Verweis, das schriftliche Urteil noch nicht zu kennen. Das dürfte angesichts der Entscheidung zur Wiederbeschäftigung von Wolfgang Völz mittlerweile sowohl vorliegen als auch durchgearbeitet worden sein. Nun der Verweis auf das „laufende Rechtsverfahren“. Diese Formulierung könnte darauf hindeuten, dass die Stadt gegen das Urteil des Arbeitsgerichts weitere Schritte plant. Eine Bestätigung gibt es aber auch dazu nicht.
Ob die Entscheidung, sich weiterhin nicht zu äußern, schon die neue Geschäftsführerin Dr. Alexandra Thürkow getroffen hat oder noch der bisherige Interimsgeschäftsführer Marcus Aukskel, ist nicht bekannt. Thürkow hat ihren Job zum 1. April übernommen. Auch das teilten die Stadtwerke nicht mit. Lediglich auf der Internetseite der Norder Stadtwerke taucht der neue Name von Dr. Alexandra Thürkow als Geschäftsführerin auf.
Insgesamt erinnert die Kommunikationsstrategie der Stadtwerke an den Fall des Stadtwerke-Geschäftsführers Said M. R. Khashey, der im März 2024 nach nicht mal zwei Monaten im Amt mit sofortiger Wirkung gekündigt wurde, weil er in seinen Bewerbungsunterlagen gelogen hatte. Auch damals gab es wochenlang gar keinen Kommentar der Stadt zu dem Vorgang. Erst mehr als einen Monat später brach Bürgermeister Florian Eiben sein Schweigen und nutzte die Norder Ratssitzung für ein öffentliches Statement. Das wird es im Fall Völz anscheinend nicht geben.