Die besten Tipps 5 häufige Beziehungsprobleme - und wie man sie lösen kann

Philipp Laage, dpa
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Von Philipp Laage, dpa
| 14.11.2023 14:42 Uhr | Lesedauer: ca. 14 Minuten
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Um Beziehungsprobleme zu lösen, muss man die Bedürfnisse des anderen kennen und ernst nehmen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Um Beziehungsprobleme zu lösen, muss man die Bedürfnisse des anderen kennen und ernst nehmen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
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Probleme in der Beziehung drücken sich ganz unterschiedlich aus: durch Streit und Gereiztheit, durch Schweigen und Desinteresse, durch fehlenden Sex. Was dahinter steckt, ist aber oft ähnlich.

Es gibt wohl keine Beziehung, in der nicht irgendwann Probleme auftauchen. Doch oft ist gar nicht so klar, worum es überhaupt geht. Man stellt vielleicht fest: Wir streiten ständig. Oder wir schweigen uns nur noch an. Nur warum ist das so?

Hier wird es interessant. Paartherapeuten und Psychologinnen gehen der Frage nach, welche Konflikte ein Paar tatsächlich austrägt. Schauen wir fünf typische Sätze an - und was dahinter stecken kann.

1. „Wir streiten uns ständig“

Sie stört sich daran, dass er das Badezimmer dreckig hinterlässt. Er wirft ihr vor, dass sie morgens direkt schlechte Laune hat. Immer wieder diskutiert man hin und her, ohne weiterzukommen. Wegen vermeintlicher Kleinigkeiten fliegen die Fetzen.

Dass sich manche Paare auch mal streiten, ist kein Grund zur Sorge. Permanenter Streit ist aber eines der häufigsten Probleme, die Paarberaterinnen und Beziehungscoaches zu hören bekommen.

Was steckt dahinter?

Offenbar führt die Kommunikation nicht dazu, einen Konflikt zu lösen. Das kann an der Art und Weise liegen, wie man miteinander spricht.

„Gute Kommunikation ist für manche Menschen lösungsorientiert, andere suchen vor allem emotionale Verbindung“, sagt der Paartherapeut Eric Hegmann aus Hamburg. Häufig redet man aneinander vorbei.

Wenn sie sich über das schmutzige Bad beschwert, ist die Botschaft dahinter vielleicht: Ich will, dass du mich mehr unterstützt. Er hingegen möchte konkret wissen, wie er sauber machen soll.

Oft steckt hinter Wut und Vorwürfen das Gefühl, dass der Partner die Bedürfnisse des anderen nicht beachtet, sagt die Diplom-Psychologin Sarah Willeke aus Siegen, die Paare bei Problemen berät.

Respektvolle Kommunikation erfordert aufmerksames Zuhören und eine höfliche Sprache. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Respektvolle Kommunikation erfordert aufmerksames Zuhören und eine höfliche Sprache. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Was kann man tun?

„An solchen Konflikten sollten sich Paare nicht oberflächlich immer wieder abarbeiten, mit vorläufigen Kompromissen“, rät Willeke - etwa zu der Frage, wann ein Bad wirklich als sauber gelten kann.

Wichtiger ist die Frage, was hinter dem Streit steckt: Worum geht es dem anderen wirklich? Einen Konsens findet man nur, wenn beide an einer Lösung des eigentlichen Konflikts interessiert sind.

2. „Sie/er nervt mich nur noch“

Es kann die Art und Weise sein, wie er das Essen zubereitet oder wie sie vor Freunden von ihrem Job erzählt. Wie er auf Kritik reagiert oder was sie als erstes tut, wenn sie nach Hause kommt.

Was auch immer die Partnerin oder der Partner tut: Plötzlich nervt es. Und vielleicht sogar noch mehr: Es ist unangenehm oder vielleicht sogar peinlich. Warum verhält sich der andere bloß so?

Wer so empfindet, sucht nicht unbedingt Streit. Das Gefühl, vom anderen genervt zu sein, wächst oft im Stillen. Man wird kühl, beäugt den anderen mit Missmut. Und irgendwann fängt man vielleicht sogar an, passiv-aggressiv zu sticheln und den anderen zu verletzen.

Was steckt dahinter?

Auch hier stecken oft ungelöste Konflikte, unbefriedigte Bedürfnisse und enttäuschte Erwartungen dahinter.

Hinter verletzenden Worten verbirgt sich laut Eric Hegmann nahezu immer ein sehr menschlicher Wunsch an den Partner: Wenn du dich verändern würdest, dann könnte ich glücklicher sein.

Nur ist es meist eine Illusion zu glauben, der andere könnte ein anderer Mensch werden als der, den man kennengelernt hat.

Wahrscheinlicher ist, dass man den Partner am Anfang der Beziehung mit einer allzu rosaroten Brille gesehen hat. Beide geben sich Mühe, gehen aufeinander ein. Doch mit der Zeit zeigen sich unangenehme Charakterzüge - sie gehören allerdings zur Person dazu.

Statt das zu akzeptieren, reagiert man ungehalten, auch unfair.

Was kann man tun?

Den anderen verändern zu wollen, sei das „Ticket ins Unglück“, sagt Hegmann. Seine Beobachtung: Daran arbeiten sich Paare oft jahrelang vergeblich ab, bis sie erschöpft und entmutigt aufgeben.

„Es ist eine sehr unbequeme Wahrheit, dass die Veränderung bei einem selbst beginnen muss“, sagt der Beziehungscoach.

Die Lösung liegt in der Frage: Was kann ich auf meiner Seite machen, damit es mir besser geht und damit auch uns als Paar?

Auch Paarberaterin Willeke rät dazu, bei sich selbst anzufangen. Und sich zu fragen, woher die eigene scharfe Reaktion auf das Verhalten des anderen kommt. Welches Bedürfnis wird gerade nicht erfüllt?

Manchmal findet man heraus: „Es liegt gar nicht am Partner, sondern an einem selbst“, sagt Willeke. „Man ist unzufrieden mit sich, hat Stress im Beruf. Der andere wird dann zum Blitzableiter.“

Als Reaktion passiert es oft, dass der andere sich zurückzieht und ebenfalls kühl wird - und zurückschlägt.

Wenn sich solche Mikro-Verletzungen häuften, gefährde das die Beziehung, warnt Willeke. „Dann kann irgendwann der Respekt verloren gehen, bis hin zur Verachtung.“ Und dann wird es ganz schwierig.

3. „Wir haben uns auseinandergelebt

Oft passiert es im Lauf der Beziehung, dass beide zwar noch unter einem Dach wohnen, sich aber kaum noch etwas zu sagen haben außer alltägliche Belanglosigkeiten. Man steht zwar morgens gemeinsam auf, teilt sich Bett und Tisch. Aber eigentlich lebt jeder sein eigenes Leben. Was einen bewegt, teilt man dem anderen nicht mehr mit.

Sind die Interessen, Ziele oder Lebensphasen zu unterschiedlich, leben sich Paare oft auseinander. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Sind die Interessen, Ziele oder Lebensphasen zu unterschiedlich, leben sich Paare oft auseinander. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Sätze, die man von solchen Paaren oft hört, lauten: „Jeder macht so sein Ding.“ Oder auch: „Es ist eben, wie es ist.“

Plötzlich gehört der Mensch, der einen einmal begeistert hat, zum eigenen Leben, wie ein altes, eingestaubtes Möbelstück. Und mindestens einer von beiden stellt sich die Frage: Kann das so weitergehen?

Was steckt dahinter?

Beziehungsexperten betonen, wie wichtig Interesse, Anteilnahme und Wertschätzung für die andere Person und ihre Bedürfnisse sind. Am Anfang einer Beziehung ist das meist gegeben.

Doch im Laufe der Zeit hören viele Paare auf, sich miteinander zu beschäftigen. Die Neugier ist verflogen. Man ist dann der Meinung: Die Beziehung ist ein Selbstläufer, man kennt den anderen doch auswendig. Was kann sie oder er mir noch Neues erzählen?

Das ignoriert die Tatsache, dass Menschen neue Erfahrungen machen und ihre Wünsche und Bedürfnisse sich verändern. „Manche Partner trauen sich nicht zu äußern, was sie sich wirklich vom Leben und einer Beziehung wünschen“, hat Paartherapeut Hegmann beobachtet.

Was kann man tun?

Sie ahnen es vielleicht: Das Paar sollte wieder miteinander sprechen. Und zwar nicht nur darüber, dass der Müll noch runter muss.

Denn die Frage ist: Weiß man wirklich, was das Gegenüber gerade bewegt?

„Auch nach 20 Jahren können Sie noch keine Gedanken lesen. Und je früher Sie das aufgeben, umso besser“, rät Hegmann und erklärt, was das für den Beziehungsalltag bedeutet:

  • Bleiben Sie aufmerksam und neugierig, fragen Sie nach.
  • Seien Sie offen für die Unterschiedlichkeit Ihres Partners.
  • Sprechen Sie auf einer emotionalen Ebene miteinander.
  • Fokussieren Sie sich auf das Verständnis füreinander und akzeptieren Sie, dass Ihr Partner nicht jeden Ihrer Wünsche erfüllen wird.

Wichtig ist, sich immer wieder neu für den anderen zu entscheiden, sagt Psychologin Willeke. Es muss klar werden: „Ich möchte, dass wir uns gegenseitig wahrnehmen und die Beziehung aktiv führen.“

4. „Im Bett läuft es nicht mehr“

Aus vielen Beziehungen verschwindet irgendwann der Sex. Oder das Paar geht sehr viel seltener als früher miteinander ins Bett. Das muss kein Problem sein. Doch oft ist es eines.

Nimmt das Interesse an Sex bei beiden in gleichem Maße ab, ist das kein Problem für die Beziehung. Aber: „Üblicherweise entwickelt sich das in einer Beziehung nicht gleich“, sagt Prof. Beate Ditzen vom Institut für Medizinische Psychologie an der Uni Heidelberg. Er will also mehr Sex als sie. Oder andersherum. „Das ist ein Konfliktherd.“

Was steckt dahinter?

Das können zunächst einmal überhöhte Erwartungen sein.

Ditzen hat zur Bedeutung von Körperkontakt für die Paarbindung geforscht. Sie weiß: Am Anfang einer Beziehung schüttet der Körper viel Dopamin aus. Man kann kaum die Finger voneinander lassen. Erotische Berührungen wirken intensiv und aufregend.

Doch der Körperkontakt verändert sich. Streicheln, kuscheln und sich in den Arm nehmen gehen bald eher mit einer beruhigenden Wirkung einher. Man fühlt eine enge Bindung mit dem Partner.

Das mache es für uns in westlichen Gesellschaften mit einem romantischen Bild von Partnerschaft nicht einfach, so Ditzen. „Die Kriterien, aufgrund deren wir eine Beziehung mit jemandem anfangen, sind andere als die, die später eine Beziehung stabil halten.“

Einerseits Routinen und den Alltag teilen, andererseits Aufregung schaffen und aufeinander Lust haben: „Das ist ausgesprochen schwierig zu vereinen“, sagt Ditzen. Erst recht, wenn gerade ein Kind auf die Welt gekommen ist. Dann nehme der Körperkontakt erst einmal ab. „Das ist ganz normal, kann aber trotzdem belastend sein.“

Oft will ein Partner es eben nicht einfach hinnehmen, dass der Sex immer seltener wird oder fast gar nicht mehr stattfindet.

Und das hat einen Grund: Es geht nicht um die reine Lust. Laut dem Klinischen Sexualpsychologen Christoph J. Ahlers drücken Paare durch Sex Beachtung, Zuwendung, Geborgenheit, Vertrauen und Nähe aus. Durch Sex sagen wir: Ich sehe dich, ich will dich so, wie du bist.

Bleibt der Sex aus, bedeutet das oft, dass eine Person in der Partnerschaft sich nicht gesehen fühlt. „Das kann die körperliche Beziehung substanziell beeinflussen“, sagt Beate Ditzen.

Hier steckt also ein emotionaler Konflikt dahinter, der mit viel mehr zu tun hat als der Frage, wie oft man miteinander schläft.

Was kann man tun?

Sexualpsychologe Ahlers rät: Reden, reden, reden - über die eigenen Bedürfnisse und die des anderen. Kommunikation sei der einzige Schlüssel, um wechselseitig versperrte Türen wieder zu öffnen.

Beispiel: „Wenn der Mann versteht, wonach er sich wirklich sehnt, und es lernt, dies adäquat zu kommunizieren, verändert das eventuell auch die Art, wie seine Partnerin damit um- und darauf eingeht“, schreibt Ahlers in seinem Buch „Vom Himmel auf Erden“.

Ahlers argumentiert: Nach Ereignissen wie einer Geburt gilt es als normal, dass Sex erst einmal keine Rolle mehr spielt, deshalb wird darüber auch nicht mehr geredet. Aber genau das sei ein Fehler.

Und auch, wenn kein gravierender Konflikt das Problem ist: Reden hilft weiter. „Manchmal ist das Sexleben einfach nur ein bisschen eingeschlafen“, sagt Sarah Willeke. „Vielleicht fehlt das Vertrauen, eigene Fantasien zu äußern. Daran kann man arbeiten.“

Kommunikation ist der Schlüssel, der es ermöglicht, Türen zu öffnen, die zwischen uns verschlossen sind. Foto: picture alliance / dpa-tmn
Kommunikation ist der Schlüssel, der es ermöglicht, Türen zu öffnen, die zwischen uns verschlossen sind. Foto: picture alliance / dpa-tmn

5. „Er/sie kann sie/ihm nicht mehr vertrauen“

Er bucht immer wieder größere Summen vom Konto ab und weigert sich, ihr zu sagen, wofür er das Geld braucht. Sie riecht regelmäßig nach Alkohol, obwohl sie beteuert hat, weniger zu trinken.

Vertrauensbrüche stellen Beziehung vor gewaltige Herausforderungen.

Das gilt besonders, wenn es zu einem Seitensprung gekommen ist. Für viele steht dann sofort die gesamte Beziehung infrage.

Was steckt dahinter?

Untreue verletzt die Loyalität zwischen den Partnern. Für viele sei das einer der wichtigsten Beziehungswerte überhaupt, so Willeke. Entsprechend tief ist die Verletzung, wenn einer fremdgeht.

„Häufig gibt es einen Bruch, der zum Seitensprung geführt hat“, sagt die Psychologin. Irgendetwas ist also vorher zwischen den Partnern kaputt gegangen. Bei der Aufarbeitung komme es deshalb wieder darauf an, über die Bedürfnisse des jeweils anderen zu sprechen.

Hinter einem Seitensprung steckt aber längst nicht immer ein tiefgreifender Konflikt. „Einer hat in dem Moment vielleicht nur kurz das Gefühl gesucht, sich lebendig zu fühlen“, sagt Willeke. „Die gute Nachricht ist dann: Es hat nichts mit der Beziehung zu tun, auch wenn die oder der Betrogene das erst mal nicht so sieht.“

Was kann man tun?

Weil ein Seitensprung die Beziehung unmittelbar gefährdet, wird er häufig verschwiegen. Kann das legitim sein?

Bei bedeutungslosen One-Night-Stands bringen Selbstzweckbeichten wenig, schreibt Christoph J. Ahlers. Anders bei anhaltenden Affären oder Parallelbeziehungen - das müsse sofort auf den Tisch.

Unbedingte Ehrlichkeit sei nicht immer der beste Weg, sagt auch Paarberaterin Willeke. „Wenn die Beichte das einzige Ziel hat, das eigene Gewissen zu entlasten, belastet es die Beziehung oft nur.“

Wenn man den Seitensprung transparent macht, sollte man laut Ahlers nur die Punkte ansprechen, die wirklich für das Paar relevant sind. Also möglichst wenige Details zu der dritten Person geben. Das verletzt nur und bringt niemanden weiter.

Dann kommt es darauf an, ob die andere Person die Untreue verzeiht.

In der Paartherapie fragt Eric Hegmann: Wollen Sie den Seitensprung überhaupt verzeihen? Und was würden Sie benötigen, damit Sie den Seitensprung verzeihen könnten? Allein der Wille reicht aber nicht, viele andere Faktoren spielen dabei auch eine Rolle:

  • die eigene Biografie und Beziehungshistorie
  • die Rollenvorbilder in der Kindheit
  • der eigene Selbstwert und Bindungsstil
  • das sozial-kulturelle Umfeld

Vielleicht spielt auch das Alter eine Rolle: „Ich erlebe, dass ältere Paare mit Lebens- und Beziehungserfahrung sehr viel toleranter und großzügiger sind als jüngere Paare“, sagt Hegmann.

Klar ist aber auch: Wiederholte Vertrauensbrüche sind Gift für die Beziehung - ob es um Untreue, Geld oder eine Sucht geht.

Vertrauen lässt sich nur über positive Erfahrung aufbauen, sagt Sarah Willeke. „Der Partner muss also immer wieder sehen und erleben, dass er dem anderen vertrauen kann.“ Kontrolle funktioniert nicht.

Wie spricht man Beziehungsprobleme richtig an?

Viele Menschen in einer Beziehung fragen sich: Haben wir gerade ein Problem oder ist es nur eine Kleinigkeit? Soll ich daraus wirklich ein großes Ding machen? Wie spreche ich an, wenn mich etwas in der Beziehung stört?

„Das Wort Problem ist leider schon sehr negativ behaftet“, sagt Sarah Willeke. Sie spricht lieber von einer Herausforderung.

Wenn sich vermeintliche Banalitäten wiederholen und stören, sollte man auch irgendwann darüber sprechen, rät sie.

  • Aber nicht so: Du machst etwas, und das stört mich.
  • Sondern so: Ich habe einen Wunsch, über den ich reden will.

Die Schwierigkeit liegt darin, den anderen nicht zu kränken.

Die Experten raten hier zum 5:1-Modell des Psychologen John Gottman. Der konnte belegen, dass es fünf positive, zugewandte Momente braucht, um eine negative, abgewandte Situation auszugleichen.

Was passiert, wenn man Probleme nicht anspricht?

Wenig überraschend: Das ist generell eine schlechte Idee.

„Die Probleme werden größer, sie sorgen für mehr Stress und damit für heftige Stressreaktionen in einem Streit“, sagt Eric Hegmann - bis hin zu Beschimpfungen und persönlichen Angriffen.

Irgendwann eskalieren nach Hegmanns Beobachtung auch die kleinsten Konflikte, die sich scheinbar um nichts drehen.

Fehlende Kommunikation über Probleme führt laut Christoph J. Ahlers in Schweigespiralen. „Problematisches, Kritisches, Heikles, aber auch Ersehntes, Gewünschtes und Vermisstes wird systematisch nicht angesprochen“, schreibt der Sexualpsychologe.

Oft hält irgendeine äußere Klammer das Beziehungsgefäß zusammen: das soziale Umfeld, der Freundeskreis, die Kinder.

Doch im Inneren gärt es, so Ahlers. „Und irgendwann fliegt der Deckel ab - oder das Glas zerspringt in tausend Scherben. Das ist der Moment, in dem es zu spät ist.“ Die Beziehung ist am Ende.

Wer es alleine nicht mehr schafft, miteinander ins Gespräch zu kommen, kann sich Hilfe von außen suchen.

Wann macht eine Beziehungspause Sinn?

Führen die Gespräche nirgendwo hin, entscheiden sich manche Paare dazu, eine Weile auf Distanz zu gehen. Das kann helfen, Druck aus der Sache zu nehmen, um sich später wieder annähern zu können.

Sarah Willeke sieht Beziehungspausen allerdings eher kritisch: „Eine Pause ist eine kleine Trennung. Das setzt das Signal: Es gibt ein Problem, das wir als Paar erst mal nicht lösen können.“

Eine Pause setzt klare Absprachen und Regeln voraus. „Wenn am Ende rauskommt, dass einer die Beziehungspause genutzt hat, um zu schauen, ob es auch mit jemand anderem klappt, ist eine Rückkehr zur Beziehung deutlich erschwert“, sagt Willeke. Die Pause hat ihren Sinn verfehlt.

Eine Beziehungspause kann Paaren Zeit zum Nachdenken geben. Doch das funktioniert nur mit klaren Absprachen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Eine Beziehungspause kann Paaren Zeit zum Nachdenken geben. Doch das funktioniert nur mit klaren Absprachen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Wann sollte man die Beziehung besser beenden?

Gewalt ist ganz eindeutig eine rote Linie.

Ansonsten ist der Punkt erreicht, wenn einer nicht mehr in die Beziehung investieren will. „Das ist der Hinweis, dass es nicht mehr funktionieren soll“, sagt Willeke. Wenn ein Paar viel streite, sei immer noch Engagement vorhanden. „Damit kann man arbeiten.“

Nach Willekes Erfahrung läuft es in der Paartherapie oft auf die Frage hinaus: Wie können wir das Ganze zu einem guten Ende bringen?

„Das wird selten so kommuniziert.“ Aber man merkt es irgendwann.

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