Osnabrück Erinnerung für Boris Pistorius: Kriegsminister gibt‘s nicht mehr
Deutschland müsse „kriegstüchtig“ sein, sagte Pistorius kürzlich in einem Interview. Unser Autor hält diese Formulierung nicht bloß für bewusst gewählt, sondern vor allem für politisch fragwürdig, historisch instinktlos und strategisch überzogen.
Ich habe einmal einen schönen Spruch gehört: Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten. Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Taten.
Die genaue Herkunft dieser Sentenz kennt man nicht. Aber ich wäre überrascht, falls sie jemand nicht für einleuchtend hält.
Aus diesem Grund frage ich mich, was einen politischen Profi wie Boris Pistorius veranlasst, seine militärische Rhetorik seit seinem Amtsantritt als Bundesminister der Verteidigung fortwährend zu verschärfen. Deeskalation geht anders. Möchte er der darbenden SPD Kontur geben? Steigen ihm das Amt und die allseitige Anerkennung zu Kopf? Will er durch markige Sprüche dem Bundeskanzler zur Seite stehen? Oder, umgekehrt, will er sich von Olaf Scholz absetzen, der seine Worte bewusst defensiv wählt?
Deutschland müsse „kriegstüchtig“ sein, sagte Pistorius jedenfalls in diesen Tagen in einem viel beachteten Fernsehinterview. Er sagte nicht „abwehrbereit“. Er sagte nicht „verteidigungsfähig“. Pistorius sagte „kriegstüchtig“, und es ist anzunehmen, dass er, der Verteidigungsminister, das sehr bewusst tat.
Ich empfinde diese Wortwahl als unangenehm unhistorisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß Pistorius‘ heutiges Haus zunächst „Dienststelle Blank“. Ziviler ging es nicht. Dann kamen die Wiederbewaffnung, das Westbündnis und das Bundesministerium der Verteidigung. Nun fehlt nicht viel, dass sich Pistorius Kriegsminister nennen lässt – so hieß das Amt in preußischer Zeit.
Und warum verbindet er das Wort „Krieg“ mit „Tüchtigkeit”? Wieso nutzt der Minister einen Begriff, aus dem einem Pickelhauben-Tugenden und das Denken vergangener Zeiten förmlich entgegenspringen?
Will Pistorius den Soldaten nun Leibesübungen verordnen und den Zivilisten weniger Zimperlichkeit? Daran muss ich denken, wenn der Minister schneidig von Tüchtigkeit spricht.
Ich nehme stark an, Pistorius weiß, wer zuletzt in Deutschland „Wehrertüchtigung“ betrieben hat, um einer verweichlichten Jugend Beine zu machen.
Ich nehme an, Pistorius weiß, dass Deutschland schon einmal Schiffe in Richtung “Indopazifik” schickte. Jetzt möchte er die Chinesen beeindrucken, indem die Bundeswehr dort wieder Stärke zeigt.
Entschuldigung, ich will das nicht. Ich halte es politisch für fragwürdig, historisch für instinktlos und strategisch für eine Überdehnung und Selbstüberschätzung sondergleichen. Das Militär modernisieren, meinetwegen. Neue Bedrohungsszenarien durchdenken, auch hybrid und digital: sofort. Aber seine Kniebeugen kann Pistorius ohne mich machen.
Kriegsminister gibt’s nicht mehr.