Flüchtlinge in Großefehn Unkenntnis ist gleich in mehrerer Hinsicht das Problem
Der Kreis brachte Flüchtlinge unter, ohne die Gemeinde zu informieren. Die Flüchtlinge wiederum haben Probleme mit der Mülltrennung – weil es ihnen nicht erklärt wurde. Jetzt werden Lösungen gesucht.
Großefehn - Nach wie vor ist in der Timmeler Bevölkerung das Unterbringen von Flüchtlingen ein heißes Thema. Das wurde anlässlich der letzten Sitzung des Ortsrates Timmel/Westgroßefehn im RTC deutlich, der etwa 30 Bürger beiwohnten. Sie beteiligten sich durch sachliche Beiträge an der Diskussion.
Auf Unverständnis stieß bei vielen die von Ortsbürgermeisterin Silke Bergmann geschilderte Situation in einem Wohnkomplex, in dem sich mehrere Familien seit mehreren Monaten aufhalten – insgesamt 27 Personen aus sechs Nationen. Der Ortsrat und die Gemeinde Großefehn waren davon nicht in Kenntnis gesetzt worden. Aufmerksam geworden sei sie, so Silke Bergmann, durch Zufall und Beschwerden von Anwohnern, die die Lärmbelästigung und Vermüllung dort beklagten.
Den Flüchtlingen könne man nicht unbedingt einen Vorwurf machen
Eine anwesende deutsche Bewohnerin dieses Hauses beklagte den Müll, der aus Unkenntnis nicht richtig getrennt werde und deshalb eben nicht immer entsprechend abgeholt würde. Vom Landkreis und vom Vermieter werde sie immer nur vertröstet. Den Flüchtlingen könne man nicht unbedingt einen Vorwurf machen, da für sie die Mülltrennung etwas völlig Neues sei.
Das besagte Gebäude hatte lange leer gestanden. Es sei, als es nicht verkauft werden konnte, von seinen Besitzern dem Kreis als Unterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt worden. Auch die Oberwohnung im RTC werde seit Februar von einer afrikanischen Frau aus Burundi mit ihren beiden Kindern genutzt, fügte Silke Bergmann hinzu.
Informationen vom Landkreis gefordert
Im Juli gab es eine Ortsbesichtigung mit Vertretern der Gemeinde, dem Ortsrat und dem Landkreis, unter anderem mit Norman Büchter, Fachkoordinator für Flüchtlingsarbeit an der KVHS Aurich-Norden und dem Gesamtbereich des Landkreises Aurich. Man einigte sich, zukünftig zeitnah über solche Veränderungen vom Landkreis informiert zu werden, um auf diese Menschen zugehen und sie betreuen zu können, damit eine Integration erfolgen könne.
Sie selbst, so Silke Bergmann, habe sich ehrenamtlich der Familie aus Burundi angenommen. Inzwischen sei bereits eine kleine Freundschaft entstanden. Sie hoffe, dass auch andere ihr in Timmel das gleich tun mögen. Die Ortsbürgermeisterin hat nunmehr angeregt, in Timmel einen Arbeitskreis für die Integration von Flüchtlingen zu bilden. Die Timmeler seien interessiert an den Problemen dieser armen Menschen und würden gerne etwas tun, damit es vernünftig laufe, bemerkte Ludwig Soeken.
Schwierige Arbeit der Alltagshelfer
Kritischer dagegen sieht es Dieter Rogge. Er sei nicht der Einzige in der Bevölkerung, der das Gefühl habe, dass es in der Bevölkerung zunehmend rumore. Es werde häufig über Ausländer gesprochen. Er denke, es müsse alles dafür getan werden, damit die Flüchtlinge so gut und so schnell wie möglich bestens betreut werden. Kein Verständnis habe er dafür, dass erst ein Asylverfahren oder Ähnliches ablaufen müsse, damit jemand die deutsche Sprache lernen dürfe. Nicht verstanden habe er, dass die Alltagshilfe in Timmel nicht das Müllproblem erkannt haben will.
Um einen besseren Einblick in die Flüchtlingshilfe des Landkreises zu bekommen, hatte Silke Bergmann zu dieser Ortsratssitzung Norman Büchter eingeladen. Dieser berichtete über die schwierige Arbeit der sogenannten Alltagshelfer, die sich um die Sorgen der Flüchtlinge kümmern und versuchen, ihnen in allen Lebenslagen sowie bei den erforderlichen Behördengängen, Arztbesuchen, Anmeldungen der Kinder in der Schule oder dem Kindergarten oder beim Eröffnen eines Bankkontos zu helfen und zu unterstützen. Dennoch blieben am Dienstagabend einige Fragen offen, die Büchter nun mit seinen Kollegen besprechen will, damit dort eine Besserung eintritt.
Die erste Aufregung hat sich etwas gelegt
Die Aufregung nach der Ortsratssitzung am 11. April dieses Jahres, als es heftige Debatten und Meinungsverschiedenheiten über den Standort für die Unterkunft von Flüchtlingen gab, hat sich nach dem Einlenken der Gemeindeverwaltung etwas gelegt.
Laut Bürgermeister Erwin Adams, der ebenfalls anwesend war, sollen im Oktober am Rande des Campingplatzes, dem neuen Standort, Chalets (ländlicher Haustyp) im Werte von 300.000 Euro für die Hilfesuchenden aufgestellt werden. Wie viele Flüchtlinge noch nach Großefehn kommen, könne er nicht sagen. Die Zuweisung erfolge durch die niedersächsische Landesaufnahmebehörde, so der Fachkoordinator Norman Büchter. Momentan kämen weniger Menschen aus der Ukraine, dagegen mehr aus den Drittstaaten.