Abwasser in Großefehn  EWE will mehr Geld von Fehntjer Bürgern

Heino Hermanns
|
Von Heino Hermanns
| 21.12.2022 12:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die EWE Wasser ist auch für die Sanierung der Schmutzwasserkanäle zuständig, wie auf dem Foto aus dem Jahr 2018 zu sehen ist. Foto: Romuald Banik
Die EWE Wasser ist auch für die Sanierung der Schmutzwasserkanäle zuständig, wie auf dem Foto aus dem Jahr 2018 zu sehen ist. Foto: Romuald Banik
Artikel teilen:

Die EWE Wasser GmbH betreibt in Großefehn die Kläranlage. Die gestiegenen Stromkosten will das Unternehmen nun auf die Verbraucher umlegen.

Großefehn - Einstimmig, aber widerwillig hat die Großefehntjer Politik die Abwassergebühren in der Gemeinde angehoben. Ab dem 1. Januar müssen pro Kubikmeter 3,50 Euro gezahlt werden – 35 Cent mehr als bisher. Es ist die erste Anhebung der Abwassergebühren seit 2015.

Widerwillig hat der Finanzausschuss am Dienstagnachmittag zugestimmt, weil die Anhebung auf ein Schreiben der EWE Wasser GmbH zurückgeht. Das Unternehmen betreibt die Abwasserentsorgung in Großefehn und erhält dafür ein Betreiberentgelt. Die EWE hat nun für das kommende Jahr Mehrkosten auf Grund der gestiegenen Energiekosten angekündigt.

Fehntjer Abwasserpreise mit am höchsten

Für den Strom, der für die Abwasserentsorgung nötig ist, veranschlagt die Gemeindeverwaltung Mehrkosten in Höhe von 92.000 Euro. Allerdings, so Kämmerin Jördis Lienemann in der Sitzung des Finanzausschusses, sei es fraglich, wie weit diese Steigerung bei den Stromkosten überhaupt umgelegt werden könne. Im Betreibervertrag mit der EWE stehe lediglich der Passus, dass bei außergewöhnlichen Ereignissen eine Einigung erzielt werden müsse.

Obwohl noch geklärt werden muss, ob die höheren Stromkosten durch eine Erhöhung des Betreiberentgeltes umgelegt werden dürfen, wurde nun die Satzung geändert. Denn im Nachhinein, so Lienemann, gebe es ja eine sogenannte Spitzabrechnung im Rahmen der Nachkalkulation der Gebühren. Die Einwohner würden zu viel gezahlte Gebühren dann zurückerhalten.

Geht es nach Bürgermeister Erwin Adams, wird es diese Rückzahlung auch geben. „Wir stehen in Gesprächen mit der EWE.“ Er gehe davon aus, dass diese Erhöhung nicht zum Tragen kommen werde.

Verkauf birgt Tücken

Auf dem Gebiet der Abwassergebühren hat die Gemeinde Großefehn es in den vergangenen Jahrzehnten an die Spitze geschafft. In keiner Kommune Ostfrieslands mussten die Bürger in den letzten Jahren so viel zahlen wie dort. Ein Grund für die Spitzenpreise in der Gemeinde Großefehn ist der Verkauf des Kanalnetzes und der Kläranlage in Mittegroßefehn an die EWE Wasser GmbH (Cuxhaven) Mitte der 1990er Jahre. Seit dem 1. Januar 1994 ist die hundertprozentige Tochter der EWE Energie AG zuständig für den Betrieb der Anlagen, für die sie damals rund 7,24 Millionen D-Mark bezahlt hat. Geld, das die Gemeinde Großefehn seinerzeit sehr gut gebrauchen konnte, unter anderem sind damit zwei neue Turnhallen errichtet worden.

Der Verkauf von 1993 hat jedoch auch seine Tücken. Denn festgelegt wurde damals, dass die EWE der Gemeinde für ihre Dienstleistungen eine Rechnung stellt. Die Gemeinde wiederum legt dann Gebühren pro Kubikmeter sowie gegebenenfalls eine Grundgebühr fest, welche die Bürger zu zahlen haben. Die Höhe des Betrages, der an die EWE zu zahlen ist, ist gekoppelt an den sogenannten Verbraucherpreisindex. Steigt dieser um eine bestimmte Punktzahl an, muss auch die Gemeinde automatisch mehr Geld an die EWE überweisen.

Strittig ist nun, wie die in der letzten Zeit stark gestiegenen Energiepreise dabei zu berücksichtigen sind. Kann die EWE dafür zusätzliches Geld verlangen – oder greift ausschließlich der Mechanismus über den Verbraucherpreisindex? Das werden die Gespräche ergeben. Zur Sicherheit wurde dennoch nun an der Preisschraube gedreht.

Ähnliche Artikel