Entlastung für Familien Aussetzung der Krippengebühren wäre ein teures Unterfangen
Die Linksfraktion im Auricher Rat will Krippen- und Hortgebühren für sechs Monate aussetzen. Das Vorhaben wäre aber teurer als zunächst erwartet.
Aurich - Angesichts der steigenden Inflation hat die Auricher Linksfraktion bereits im Oktober eine Entlastung für Familien beantragt. Für ein halbes Jahr sollten die Gebühren für Krippen- und Hortplätze gestrichen werden. Der Antrag wurde im Sozialausschuss am 4. Oktober nicht abgelehnt, sondern zurückgestellt. Mehr Details zu den Kosten der wohltätigen Aktion forderten die anderen Fraktionen damals. Erster Stadtrat Hardwig Kuiper hatte die Kosten Anfang Oktober auf rund 60.000 Euro monatlich geschätzt.
Nun hat die Stadtverwaltung nachgerechnet und kommt auf höhere Summen. Knapp 400.000 Euro würde es die Stadt Aurich kosten, vom 1. November bis zum 31. März auf die Gebühren zu verzichten. Denn im Durchschnitt nimmt die Stadt pro Monat 79.900 Euro an Gebühren für die privaten und städtischen Kindertagesstätten ein. Das geht aus einer Vorlage für den Sozialausschuss hervor, der am kommenden Dienstag zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommt.
Gebühren sinken am Ende des Kita-Jahres drastisch
Ganz exakt können die Zahlen nicht sein, denn für Kinder in den Krippen müssen nur bis zum dritten Geburtstag Gebühren gezahlt werden. Die Kindergartenzeit im Alter von drei bis sechs Jahren ist in Niedersachsen für Eltern kostenlos. Erreicht ein Krippenkind den dritten Geburtstag, hat aber keinen Kindergartenplatz, bleibt es bis zum Ende des Kindergartenjahres beitragsfrei in der Krippe. Daher schwanken die Gebühreneinnahmen von Monat zu Monat und können nur als Durchschnittswert angegeben werden. Besonders auffällig ist das laut der Vorlage immer gegen Ende des Krippen-/Hortjahres. Dann reduzieren sich die Einnahmen teilweise extrem. Ein Beispiel ist die Krippe Lummerland, die im September 2021, zu Beginn des Krippenjahres, auf Einnahmen von 6300 Euro kam. Im Juli 2022 waren es nur noch 3500 Euro.
Sollte die Stadt Aurich auf die Gebühren für Krippe und Hort verzichten, bliebe es indes nicht bei den genannten 400.000 Euro, über die sich die Eltern freuen dürfen. Hinzu kämen gut 43.000 Euro, bei denen es sich um jene Gebühren handelt, die von der wirtschaftlichen Jugendhilfe getragen werden. Darüber würde sich der Landkreis Aurich freuen, der diese Summe für den Krippen- oder Hortbesuch von Kindern aus finanzschwachen Familien übernimmt.
Forderung: Aurich soll wieder Vorreiter sein
Ein Problem, das der Sozialausschuss bereits Anfang Oktober im Blick hatte. Dennoch war man sich einig, dass Familien, die keine staatliche Hilfe erhalten, entlastet werden sollen. Die Linke sieht in ihrem Antrag im Grunde nur den Anfang. Es ergebe keinen Sinn, Gebühren für die Krippe zu nehmen, wenn die Kindergärten danach endlich für die Eltern kostenfrei seien. Reinhard Warmulla hat es für seine Fraktion bereits des Öfteren gefordert, dass Aurich – wie bei den Kindergartengebühren – wieder Vorreiter bei einer völligen Befreiung von Krippengebühren in Niedersachsen sein müsste.
Eine Forderung, die angesichts der klammen Auricher Stadtkasse wahrscheinlich nicht so bald erfüllt werden wird. Die Diskussion über eine Befreiung bis Ende März 2023 ist jedoch noch nicht vom Tisch. Sie wird am kommenden Dienstag im Auricher Sozialausschuss fortgesetzt. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr im Ratssaal des Auricher Rathauses.
Auricher Politik will Krippengebühren aussetzen
Fraktion will Familien angesichts der Energiekosten zeitweise entlasten
Gebühren für Kinderbetreuung in Aurich bleiben
Auricher Verwaltung legt neue Berechnungen vor