Nations League DFB-Frauen zwischen Frust, Stolz und Hoffnung

Ulrike John und David Joram, dpa
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Von Ulrike John und David Joram, dpa
| 29.11.2025 11:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Unzufrieden mit dem 0:0 auf dem Betzenberg: Bundestrainer Christian Wück. Foto: Uwe Anspach
Unzufrieden mit dem 0:0 auf dem Betzenberg: Bundestrainer Christian Wück. Foto: Uwe Anspach
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Das Frauen-Nationalteam hätte auf dem Betzenberg einen Riesenschritt zum ersten Nations-League-Titel machen können. Christian Wück verzweifelt an der fehlenden Effizienz von Klara Bühl und Co.

Noch nie seit dem WM-Triumph 2023 war Spaniens Tiki-Taka so entzaubert worden - und doch war der Ärger bei den deutschen Fußballerinnen und Bundestrainer Christian Wück groß. Trotz zahlreicher Torgelegenheiten versäumte es das DFB-Team in Kaiserslautern, gegen die Weltmeisterinnen eine bessere Ausgangsposition für das Rückspiel des Nations-League-Finals am Dienstag (18.30 Uhr/ARD) in Madrid herauszuspielen. 

„Wir hatten eine unfassbar große Chance heute, dieses Spiel zu gewinnen. Und natürlich ärgert es uns enorm, weil ich glaube, noch niemand hatte Spanien an so einem Punkt, wie wir es heute hatten“, sagte Abwehrchefin Janina Minge nach der überraschend einseitigen Partie vor 40.159 Fans im Fritz-Walter-Stadion.

Bei Wück überwiegt „der Frust“

Auch bei Wück überwog nach dem Abpfiff „der Frust, dass wir das Spiel nicht zu uns rübergezogen haben“. Gleichzeitig betonte der 52-Jährige: „Auf der anderen Seite hätten uns die wenigsten in Deutschland zugetraut, gegen so eine Mannschaft so dominant aufzutreten. Ich sehe es als weiterer Entwicklungsschritt, um dieses nächste Level zu erreichen.“

Der Chancenwucher, vor allem von Linksaußen Klara Bühl, ließ den DFB-Chefcoach zeitweise verzweifeln. Nach der ersten Revanche seit dem EM-Halbfinal-Aus Deutschlands gegen Spanien im Sommer in der Schweiz bleibt der Wück-Auswahl dennoch die Hoffnung auf den ersten Titel seit dem Olympia-Triumph 2016 in Rio. 

Bühl: „Unglaublich bitter“

„Wir haben unfassbar mutig gespielt. Unglaublich bitter, dass heute kein Tor fällt. Wir hätten es verdient und dann einen Puffer für das Rückspiel gehabt“, klagte Bühl im ZDF. Die Bayern-Stürmerin traf in der zweiten Halbzeit auch noch den Pfosten und machte nach dem Abpfiff auf dem Betzenberg ein tief unglückliches Gesicht. 

„Ich habe es schon öfters gesagt: Sie muss ihre Quantität in Qualität ummünzen“, kommentierte Wück Bühls Auftritt. „Die Häufigkeit, wie sie ins Eins-gegen-Eins geht, die Häufigkeit, wie sie durchkommt, wie sie auch zu Abschlüssen kommt, die ist top, die ist auf Weltklasse-Niveau. Und jetzt brauchen wir noch die richtige Entscheidung.“

Wück: „Eine Frage der Spielintelligenz“

Es sei die alte Leier, meinte der Bundestrainer und frühere Bundesliga-Angreifer seufzend, „die Effizienz vor dem Tor, das ist das, was wir trainieren müssen. Das ist keine Frage der Technik, das ist eine Frage der Spielintelligenz.“ 

Gleichzeitig verwies Wück auf seine früheren Aussagen, wonach das deutsche Nationalteam den Abstand zu Spanien verringern wolle. Und das war der Elf um Kapitänin Giulia Gwinn sichtlich gelungen an diesem nasskalten Abend.

„Jetzt müssen wir schauen, dass wir unsere Vielzahl an Chancen eben auch ummünzen in Tore. Es hätte besser ausgehen können – und trotzdem bin ich stolz auf die Mannschaft“, so das abschließende Fazit von Wück, ehe er auf das Rückspiel im Estadio Metropolitano blickte: „Wir wollen unbedingt diesen Titel holen.“ 

Spanierinnen lernen zu leiden

Den wollen natürlich die Spanierinnen zu Hause verteidigen. „Wir haben gelernt zu leiden“, räumten die neue Trainerin Sonia Bermúdez, die herausragende Torhüterin Cata Coll und Ex-Weltfußballerin Alexia Putellas unisono ein. Die Gäste mussten sich nach der Lehrstunde unter anderem die Frage gefallen lassen, ob das ihr schlechtestes Spiel seit dem 0:4 gegen Japan in der WM-Vorrunde 2023 war. „Spanien kommt lebend davon“, titelte das Portal Marca vielsagend.

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