Schwimm-WM in Budapest Die neue Leitwölfin: Punzel hadert mit eigenem WM-Auftakt

Von Gerald Fritsche und Thomas Eßer, dpa
 | 30.06.2022 07:24 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Musste im Synchron-Mixed vom Drei-Meter-Brett mit Lou Massenberg einen nicht eingeplanten fünften Platz verdauen. Tina Punzel (l). Foto: Petr David Josek/AP/dpa
Musste im Synchron-Mixed vom Drei-Meter-Brett mit Lou Massenberg einen nicht eingeplanten fünften Platz verdauen. Tina Punzel (l). Foto: Petr David Josek/AP/dpa
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Tina Punzel hat wieder Spaß am Wasserspringen. Und das will sie in Budapest noch beweisen. Zudem hat sie eine neue Aufgabe im Team: Die jungen Springerinnen und Springer brauchen ihre Erfahrung.

Es gibt Momente, die möchte ein Sportler schnell vergessen. Wie bei Tina Punze:. Die derzeit erfolgreichste aktive deutsche Wasserspringerin musste in der WM-Entscheidung im Synchron-Mixed vom Drei-Meter-Brett mit Lou Massenberg einen nicht eingeplanten fünften Platz verdauen.

Als Bronzemedaillengewinner der vergangenen WM war erneutes Edelmetall das Ziel, die Darbietungen dafür aber zu fehlerhaft. Fakt ist aber, die Olympia-Dritte von Tokio im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett mit Lena Hentschel, sie wird es verkraften.

Im deutschen Team schauen mittlerweile alle auf Punzel. Die Dresdnerin ist die routinierteste Sportlerin in der Mannschaft. „Von mir wird schon erwartet, dass ich vorn mitspringe“, sagte die 26-Jährige. Doch irgendwann wurde der Druck zu viel.

Der Re-Start fiel Punzel nicht leicht

Nach Olympia 2021 zog sie sich zurück. „Mir war klar, dass ich nach meinem letzten Olympia-Wettbewerb am 1. August keine Schwimmhalle mehr sehen wollte“, erzählte Punzel. Sie hatte einfach keine Lust mehr auf Springen. Sie dachte viel nach, wie es weitergehen soll, ob Sport noch eine Option ist und wenn ja, welche Ziele sie sich stellen sollte.

„Und so habe ich erst im Januar wieder mit dem Training begonnen und hatte dabei einen Spaß wie lange nicht“, berichtete die europäische Wasserspringerin des Jahres 2021. Sie hatte für sich entschieden, sich zu nichts mehr zu zwingen, niemandem etwas zu beweisen. „Ich habe den Leistungssport neu schätzen gelernt und genieße ihn jetzt.“

Allerdings fiel der Re-Start nicht leicht. „Mein Körper nahm das Training nicht so an wie gehofft, ich war oft krank“, berichtete Punzel. Doch die Erfahrungen halfen ihr.

„Tina geht jetzt voran“

Ein Draufsatteln beim Schwierigkeitsgrad ihrer Sprünge wird es nicht mehr geben. „Es ist wichtig, jetzt alle zu automatisieren. Ich will Stabilität, bei der es keine Ausreißer nach unten, aber vielleicht nach oben gibt“, sagte Punzel, die ansonsten eine Hauptaufgabe darin sieht, die jungen Springerinnen an die Hand zu nehmen. „Das haben früher Nora Subschinski und Christin Steuer auch mit mir gemacht. Ich freue mich, dass ich meine Erfahrungen jetzt auch weitergeben kann“, sagte Punzel.

„Tina geht jetzt voran, sie ist jetzt unsere Aktivensprecherin und steht in Sachen Mannschaft immer im Dialog mit mir“, sagte Bundestrainer Lutz Buschkow über die neue Leitwölfin im Team, die die Aufgaben vom zurückgetretenen Rekord-Europameister Patrick Hausding übernommen hat.

Dass vor der WM alle Wettkämpfe auf internationaler Ebene wegen Corona und des Ukraine-Krieges ausfielen, sieht Punzel gelassen. „Ich hatte mich auf viele Wettkämpfe gefreut. Dass es nicht so gekommen ist, finde ich schade. Aber es ist auch nicht dramatisch.“ Im ersten WM-Wettkampf fehlte vielleicht auch die Wettkampfpraxis.